
Peißnitzinsel, letzte Woche. Das Licht war fast zu schön, um wahr zu sein. Tiefstehend, goldgelb, aber dieses junge Mai-Grün an der Saale? Es schrie mich förmlich an. Digitales Giftgrün. Ich hatte die kleine M. und ihre Eltern vor der Linse, wir sind durch das hohe Gras an den Weiden gestreift. In meinem Kopf sah das alles nach einem zarten Aquarell aus, aber auf dem Display meiner Sony Alpha 6000 wirkte es wie ein billiger Werbefilm für Rasendünger.
Bevor ich euch erzähle, wie ich dieses Grün gebändigt habe: Ein kurzer Transparenz-Check. Diese Seite enthält Affiliate-Links. Wenn du über einen dieser Links ein Preset-Paket oder einen Kurs kaufst, bekomme ich eine Provision — für dich entstehen keine Mehrkosten. Ich verlinke nur Dinge, die ich selbst bezahlt und in echten Familien-Aufträgen hier in Halle getestet habe. Mein Blick bleibt der einer Illustratorin, nicht der einer Technik-Expertin.
Der Schockmoment im Hinterhof-Atelier im Paulusviertel
Zurück im Atelier. Die hohen Fenster im Paulusviertel lassen das weiche Nachmittagslicht rein, ich mache mir einen Kaffee und klappe das MacBook auf. SD-Karte rein, Lightroom Mobile synchronisiert. Und da war er wieder: der Frust. Die Bilder kamen blass und gleichzeitig unnatürlich gesättigt aus der Kamera. Als ich an der Burg Giebichenstein Illustration studiert habe, habe ich gelernt, wie man Farben schichtet. Eine Lasur über die andere, bis die Tonalität stimmt. In Lightroom fühlte ich mich anfangs wie ein Grobmotoriker mit einem dicken Edding.
Besonders die Hauttöne bei den Kindern leiden unter diesem Saale-Licht im Mai. Das Grün reflektiert überall. Die Gesichter sahen fahl aus, fast kränklich. Ich wollte diesen weichen Look, den ich in meinen Illustrationen mit Tusche und iPad-Linien schaffe — dieses Aquarell-Gefühl, bei dem die Farben fließen, statt hart gegeneinander zu knallen. Aber die Regler für Sättigung und Luminanz? Die haben mich nur noch mehr verwirrt. Ich habe gemerkt: Ich brauche eine Basis, einen Anker, damit ich nicht jedes Mal zwei Stunden an einem einzigen Bild sitze.

Warum mein Illustrations-Stil in Lightroom erst mal „Urlaub“ brauchte
Ich hatte mir letztes Jahr den Adobe Lightroom Classic Komplettkurs geholt. Ganz ehrlich? Ich habe nach Modul 4 abgebrochen. Der Kurs ist toll aufgebaut, wirklich, aber er ist so... linear. Erklärt mir erst mal, wie ich Dateien sortiere, während ich eigentlich nur wissen will, wie ich dieses giftige Grün in ein sanftes Salbei verwandle. Als Illustratorin arbeite ich intuitiv. Ich fühle das Bild, skizziere, radiere, schiebe Ebenen. Ein Curriculum von A bis Z fühlt sich für mich wie Malen nach Zahlen an.
Ich habe aber in diesen vier Modulen zumindest gelernt, wo die Lichtkante sitzt und wie ich die Tonwertkorrektur wie einen feinen Pinselstrich nutzen kann. Aber für den Rest? Da fehlte mir die Geduld zwischen zwei Buch-Illustrationen und dem Abholen der Kinder. Ich brauchte etwas, das meinen Look „versteht“, ohne dass ich Informatik studieren muss. Ich wollte wissen: Was tun wenn Lightroom Bilder zu blass aus der Kamera kommen? — und zwar schnell.
Der Durchbruch: Presets als digitale Lasur
Anfang April habe ich mir dann das 100 Lightroom-Presets Paket für Reise- und Landschaftsfotografen gegönnt. Siebzig Euro. Das ist für mich ein kleiner Auftrag als Illustratorin, aber die Zeitersparnis ist Gold wert. Ich habe angefangen, mit den Looks „Natural“ und „Cinematic“ zu experimentieren.
Der Moment, als ich den „Natural“ Look auf die Fotos von der Ziegelwiese gelegt habe, war wie ein Aufatmen. Das Giftgrün wurde sofort gedämpft. Es war, als hätte ich eine Ocker-Lasur über das Bild gelegt, die alles harmonisiert. Die Hauttöne bekamen wieder Wärme. Plötzlich sah die Saale-Aue nicht mehr nach digitalem Rauschen aus, sondern nach einer Geschichte. Ich nutze die Presets als Basis — fast wie eine Grundierung auf einer Leinwand. Den Rest mache ich dann mit dem iPad-Stift oder der Maus: ein bisschen die Schatten anheben, die Belichtung korrigieren, fertig.

Mein Workflow zwischen Hafermilch-Kaffee und Spielplatz
Was ich an den Presets liebe, ist die Flexibilität. Ich editiere oft schon im Café am Steintor vor, während ich auf jemanden warte. Die .dng-Dateien funktionieren perfekt in Lightroom Mobile auf meinem iPhone. Ich schiebe den Look drüber, sehe sofort, ob die Stimmung passt, und schicke den Eltern vielleicht schon mal ein „Teaser-Foto“ rüber.
Früher habe ich pro Shooting locker anderthalb Stunden mit den Farben gekämpft. Jetzt bin ich in dreißig bis vierzig Minuten durch. Diese gesparte Zeit investiere ich lieber in meine Linienführung bei den Kinderbuch-Illustrationen. Es ist faszinierend: Je mehr ich mich mit den Presets beschäftige, desto mehr erkenne ich meinen eigenen Stil wieder. Es ist ein Moody vs Natural Look Ding — je nach Familie und Lichtsituation entscheide ich mich. Bei dem Shooting an der Saale-Aue war „Natural“ der Retter, bei den etwas schattigeren Hinterhof-Bildern im Paulusviertel greife ich eher zu „Cinematic“.
Wenn die Technik der Intuition folgt
Gestern Abend saß ich wieder an einem Set vom Galgenberg. Die Sonne war schon fast weg, die Kontraste waren hart. Ein typischer Fall für den „Moody“ Look aus dem Paket. Als Illustratorin liebe ich es, wenn die Schatten Tiefe haben, fast wie eine Tuschezeichnung. Ich habe das Preset angewendet und nur noch den Klarheit-Schieber ein wenig nach links gezogen, um diesen weichen, verträumten Touch zu bekommen, den ich so mag.
Ich merke immer wieder: Man muss kein Profi-Fotograf sein, um Bilder zu machen, die sich nach „Galerie“ anfühlen. Man braucht nur das richtige Werkzeug, um die digitale Kälte der Kamera zu brechen. Ich habe auch gelernt, dass ich Familienshootings an der Saale mit Lightroom Presets viel entspannter angehen kann, weil ich weiß, dass ich das Licht im Nachhinein biegen kann, ohne dass es künstlich wirkt.

Fazit: Mein Weg vom Pinsel zum Regler
Ich werde wohl nie diejenige sein, die Stunden in Photoshop-Ebenen verbringt — dafür liebe ich mein analoges Aquarellpapier zu sehr. Aber Lightroom ist für mich zu einer Art zweitem Skizzenbuch geworden. Falls du auch an dem Punkt stehst, wo dich die Technik eher bremst als beflügelt: Probier es mal mit einer soliden Basis. Das 100 Lightroom-Presets Paket hat mir den Stress genommen, bei jedem Frühlings-Grün das Rad neu erfinden zu müssen.
Wer mehr Struktur braucht als ich und wirklich wissen will, was hinter jedem Regler steckt, dem kann ich den Lightroom Komplettkurs trotzdem empfehlen — auch wenn ich selbst eher die Abkürzung genommen habe. Und für die ganz speziellen Fälle, wenn ich mal eine Saale-Landschaft wie ein richtiges Gemälde inszenieren will, liegt der Kurs für Photoshop in der Landschaftsfotografie schon auf meiner Merkliste für den nächsten Winter.
Am Ende zählt für mich nur eins: Dass die Eltern in Halle ihre Bilder bekommen und sagen: „Das sieht genau so aus, wie es sich angefühlt hat.“ Nicht perfekt, nicht technisch steril, sondern warm, weich und echt. Wie eine Illustration vom Leben an der Saale.