
Knie im feuchten Gras auf der Peißnitzinsel, die Kamera oben, und Rikes Tochter rennt mir zum dritten Mal aus dem Bild. Das Licht an der Saale ist an diesem Frühlingsnachmittag fast zu weich — nur das junge Mai-Grün brüllt zurück. Digitales Giftgrün, und auf dem Sony-Display sieht das eher nach Werbung für Rasendünger aus als nach der Familienfotografie, die ich im Kopf hatte. Darum editiere ich meine Frühlings-Shootings in Halle (Saale) heute anders — mit Presets in Lightroom, bevor ich in der Bildbearbeitung überhaupt einen Regler anfasse.
Bevor ich weitererzähle, die Offenlegung: Diese Seite arbeitet mit Affiliate-Links. Kaufst du über so einen Link ein Preset-Paket oder einen Kurs, bekomme ich eine Provision — für dich wird nichts teurer. Verlinkt wird nur, was ich selbst bezahlt und in echten Familien-Aufträgen hier in Halle durchgeschoben habe. Mein Blick bleibt der einer Illustratorin, nicht der einer Technik-Expertin.
Das Giftgrün, das die Gesichter auffrisst
Zurück am Tisch wird das Problem erst richtig sichtbar. Die Bilder kommen blass und gleichzeitig überzogen grün aus der Kamera, das Grün von der Peißnitzinsel kippt in jedes Gesicht. Rikes Tochter sieht auf dem Screen fahl aus, fast kränklich, dabei hatte sie in Wirklichkeit diese warmen Sommersprossen-Wangen. Genau das ist der billige Beigeschmack, der ein ganzes Frühlingsset nach Prospekt aussehen lässt statt nach einem Nachmittag am Fluss.
Mein erster Reflex war der „Cinematic"-Look aus dem Preset-Paket — der, der bei schattigen Aufnahmen so schön Tiefe macht. Auf den Kindergesichtern im Halbschatten wurde er eiskalt: Blaustich auf der Haut, die Lippen fast grau. Ein Look, der die Stimmung trägt, aber Hauttöne im Frühlingslicht regelrecht auskühlt — also wieder runter damit. Was ich eigentlich suche, ist dieses Aquarell-Gefühl aus meinen eigenen Arbeiten, Farben, die ineinanderfließen, statt hart gegeneinander zu knallen.

Warum der lineare Kurs bei mir nach Modul 4 endete
Den Adobe Lightroom Classic Komplettkurs hatte ich mir im Jahr davor geholt — seit gut zwei Jahren baue ich die Familienfotografie neben der Illustration auf, und ich wollte, dass mir jemand dieses Grün einmal sauber erklärt. Nach Modul 4 war Schluss. Der Kurs ist ordentlich gebaut, keine Frage, aber so streng von A nach Z. Erst Dateien sortieren, erst Katalog anlegen, während ich nur wissen will, wie aus dem giftigen Grün ein ruhiges Salbei wird. Nach Curriculum arbeite ich als Illustratorin nun mal nicht — ich fühle das Bild, skizziere, radiere, schiebe Ebenen übereinander.
Was aus diesen vier Modulen geblieben ist: wo die Lichtkante sitzt und wie sich die Tonwertkorrektur wie ein Aquarell-Verlauf ansetzen lässt. Für den Rest fehlte mir die Geduld zwischen zwei Buch-Illustrationen und dem Abholen der Kinder. Eine Abkürzung wollte ich, keine Vorlesung — die Frage Was tun wenn Lightroom Bilder zu blass aus der Kamera kommen? im Kopf, und zwar schnell beantwortet.
Presets wie eine Lasur über die Frühlingsbilder legen
Anfang April kam dann das 100 Lightroom-Presets Paket für Reise- und Landschaftsfotografen dazu. Eine Einmalzahlung, kein Abo neben der Illustrations-Software — das war für mich der Punkt. Durch die Looks habe ich mich einfach durchprobiert und bin bei „Natural" hängengeblieben.
Als „Natural" über die Peißnitzinsel-Bilder gelegt war, war das ein Aufatmen. Das Giftgrün fiel sofort zusammen, als hätte ich eine dünne Ocker-Lasur darübergezogen, die alles zusammenhält. Die Hauttöne bekamen Wärme zurück. Den Preset nutze ich seitdem als Grundierung — wie die erste Lage auf der Leinwand — und der Rest sind ein paar Handgriffe: Schatten leicht anheben, Belichtung nachziehen, fertig.
In der vierten Woche mit dem Paket saß der Look bei einem Nachmittagsshooting zum ersten Mal ganz von allein: Rikes Tochter im tiefen Licht, die kleine Wange golden, und der Preset lag richtig, ohne dass ich hinterher noch an der Haut nachbessern musste. Kein Beweis für irgendetwas, nur der Moment, an dem sich der Workflow gesetzt hat.

Was der erste Serien-Export kaputt gemacht hat
Der nächste Fehler war Bequemlichkeit. „Natural" plus meine Belichtungskorrektur von einem gelungenen Bild einmal markiert und über die ganze Serie synchronisiert, alle Frames auf einen Schlag. Auf dem einen Foto saß die Belichtung, auf den nächsten dreißig nicht. Jedes Bild hatte ja sein eigenes Licht, mal Sonne durch die Pappeln, mal Schatten unter den Weiden. Die Sammel-Synchronisation hat genau die einzelnen Belichtungs-Korrektionen wieder plattgemacht, die den Unterschied ausmachen.
Dazu kam das grelle Nachmittagslicht auf der Insel. Auf einem weißen Leinenkleid war die Belichtung so weit oben, dass die Falten einfach wegbrannten — weiße Fläche ohne Zeichnung, und kein Preset holt das zurück. Seitdem prüfe ich vor dem Export zuerst die hellsten Stellen: Ist in der Kleidung noch Struktur, oder ist da nur noch Weiß? Den Look ziehe ich über die ganze Serie, die Belichtung aber pro Bild einzeln. Das ist die eine Regel, die mir dieses Frühjahr wirklich Zeit gespart hat.
Welchen Look nehme ich für welches Licht?
Die Antwort hängt fast immer am Licht, nicht am Motiv. Weiches, offenes Frühjahrslicht auf der Peißnitzinsel — „Natural", warm und ruhig. Harte Kanten, tiefstehende Sonne, viel Schatten — dann „Moody", weil die Tiefe fast wie eine Tuschezeichnung wirkt, und ich ziehe den Klarheit-Schieber ein Stück zurück, damit die Härte weich wird, so wie man den Tusche-Druck aus einer Linie nimmt. Wie das weiche Saale-Frühjahrslicht diesen Griff steuert, noch bevor der erste Schieber wandert, ist für mich ein Moody vs Natural Look-Ding — Instinkt zuerst, Technik danach.
Merle, mit der ich das Atelier teile, schaut beim Kaffee oft kurz auf den Screen. Letzte Woche nur ein Blick und ein trockenes „Das Grün frisst das Kind" — kein Wort mehr, aber sie hatte recht, und ich war zurück auf „Natural".
Gearbeitet wird an dem Tisch aus der alten Druckertür, iPad und MacBook nebeneinander, das Nordfenster gibt nur dieses gleichmäßige Licht ohne direkte Sonne — gut, weil kein Farbstich von draußen auf den Screen fällt. Der alte Eichenstuhl gibt beim zweiten Durchgang durch die Bilder jedes Mal diesen kurzen Knarz von sich, wenn ich mich vorbeuge. Oft edite ich schon im Café im Paulusviertel vor, auf dem iPhone in Lightroom Mobile, und schicke Rike am selben Abend ein Teaser-Foto — ihr Feedback per WhatsApp kommt dann meist noch vor dem Zubettgehen ihrer Tochter.
So gehe ich Familienshootings an der Saale mit Lightroom Presets inzwischen viel entspannter an — weil ich weiß, dass sich das Licht hinterher biegen lässt, ohne dass es künstlich kippt.

Vom Pinsel zum Regler
Photoshop-Ebenen werden nie mein Zuhause — dafür hängt mein Herz zu sehr am Aquarellpapier. Lightroom dagegen ist ein zweites Skizzenbuch geworden. Wenn dich die Technik beim Editieren eher ausbremst als trägt, ist das die Lehre aus diesem Frühjahr: Such dir eine verlässliche Grundierung und entscheide den Look am Licht, nicht am Regler. Das 100 Lightroom-Presets Paket hat mir genau den Stress genommen, bei jedem Frühlingsgrün von vorn anzufangen.
Wer mehr Struktur braucht als ich und wirklich hinter jeden Regler schauen will, für den ist der Lightroom Komplettkurs trotzdem eine gute Adresse — auch wenn ich selbst die Abkürzung genommen habe. Und wenn ich mal eine Saale-Landschaft wie ein echtes Gemälde bauen will, liegt der Kurs für Photoshop in der Landschaftsfotografie auf meiner Liste für den nächsten Winter. Am Ende zählt nur, dass Rike abends schreibt: „Genau so hat sich das angefühlt." Nicht technisch sauber, sondern warm und echt — wie eine Illustration vom Leben an der Saale.