Wie ich Familienshootings an der Saale mit Lightroom Presets bearbeite: Mein Weg zum Illustrator-Look

Überarbeitet
Familienfotografie am Saale-Ufer in Halle, in Lightroom mit Presets zum Illustrator-Look bearbeitet

Ein Familienfoto kommt blass aus der Kamera, technisch sauber, aber ohne Ton. Genau so sieht jede RAW-Datei aus, wenn ich abends die Familienshootings vom Saale-Ufer in Lightroom öffne. Mein Ausgangspunkt für den Illustrator-Look sind deshalb nicht die einzelnen Regler, sondern Presets als visuelle Basis — so bearbeite ich hier in Halle an der Saale jede Familienfotografie, die als Illustratorin auf meinem Zeichentisch landet.

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Verlinkt ist hier nur, was ich selbst bezahlt und in echten Familien-Aufträgen an der Saale getestet habe — mehr verspreche ich als Burg-Absolventin nicht. Der Rest ist Handwerk, und das läuft bei mir immer in derselben Reihenfolge ab.

Das Preset ist meine Grundierung, nicht das fertige Bild

Wie beim Aquarell lege ich zuerst eine Grundierung an. Ein Klick auf einen Look, und das trübe Wasser der Saale bekommt die Tiefe, für die ich sonst drei Schichten Tusche aufbauen müsste. Das Preset ist kein Endergebnis, sondern der Startpunkt — die Fläche, auf der ich danach von Hand weiterarbeite. Wer das verstanden hat, hört auf, jeden Regler einzeln zu suchen, und beginnt beim fertigen Ton.

Mein Diplom habe ich an der Burg Giebichenstein in Illustration gemacht, nicht an einer Fotoschule — ich denke in Farbstimmungen und Lichtkanten, nicht in Histogrammen. Für Leute, die lieber systematisch von vorn lernen, gibt es strukturierte Wege wie einen Adobe Lightroom Classic Komplettkurs mit über 40 Lektionen in kurzen Häppchen. Näher an der Skizze als am Curriculum läuft mein Weg trotzdem anders.

Illustratorin bearbeitet ein Familienfoto in Lightroom Mobile auf dem iPad mit einem Preset-Look

Welcher Look für welches Licht am Saale-Ufer?

Bevor überhaupt ein Look draufkommt, prüfe ich den Weißabgleich. Früher habe ich Handyfotos direkt als fertig exportiert, ohne den Weißabgleich zu kontrollieren, und mich hinterher gewundert, warum die Hauttöne ins Grünliche kippten. Farben beurteile ich nur bei ruhigem, kühlem Licht am Monitor — kein warmer Schein, der mir einen falschen Ton vorgaukelt. Erst wenn das Weiß wirklich weiß ist, kommt das Preset drüber. Das ist meine erste feste Regel, und sie spart hinterher jede Menge Nachkorrektur.

Das Paket dahinter heißt 100 Lightroom-Presets für Reise- und Landschaftsfotografen — hundert Looks in dreizehn Stilrichtungen, eigentlich für Bergwanderer gedacht, an der Saale-Aue aber ein Volltreffer. Drei davon reichen mir für fast jeden Familientermin. Für weite Szenen am Ufer greife ich zu einem ruhigen, filmischen Look, der das Grün beruhigt. Steht die Familie im Schatten unter der Brücke, hebt ein dunklerer Look die Lichtkante auf den Gesichtern hervor. Und wenn die Hauttöne bei direktem Licht zicken, nimmt ein weicher, natürlicher Look die Härte raus, wie ein Radiergummi, der zu viel Kontrast wegwischt. Welcher Look genau zu welcher Stimmung passt, steht ausführlicher in meinem Vergleich Moody vs Natural Look.

Von Hand nachziehen: Belichtung, Schatten, Klarheit

Nach der Grundierung fängt die eigentliche Arbeit an. Das Gegenlicht der Saale traf bei einem Shooting ein Kind frontal in die Augen, alles überstrahlt — ich habe den Look eine Stufe zurückgenommen, bis die Blendung verschwand und die weiche Stimmung trotzdem blieb. Danach ziehe ich meist die Belichtung ein Stück nach links, wie eine Lasur über ein Aquarell, und hebe die Schatten nur so weit an, dass sie nicht leblos werden.

Den Klarheit-Schieber behandle ich vorsichtig; er wirkt wie der Druck einer Feder auf nasses Papier, ein Millimeter zu viel und die Struktur reißt. Einmal hatte ich die Klarheit so weit hochgezogen, dass die Babyhaut wie Sandpapier aussah; sofort wieder zurück auf null. Textur ja, aber nie auf Kosten der Weichheit, die ich aus meinen Kinderbüchern kenne.

Manchmal fliegt ein Bild ganz aus der Auswahl. Die Zwillinge unter der Giebichenstein-Brücke standen technisch messerscharf da, aber das Licht war flach und leblos, auch das beste Preset zaubert keine Lichtkante, wo keine ist. Wie beim Zeichnen: Stimmt die Komposition nicht, hilft das teuerste Papier nichts.

Weiches Abendlicht an der Saale in Halle unterhalb der Giebichenstein-Brücke mit Spiegelungen im Wasser

Meinen Vorlauf mache ich oft schon unterwegs. Das Paket liefert beide Dateiformate parallel — die .dng-Looks laufen in Lightroom Mobile auf dem iPad, die .xmp-Dateien am MacBook für die Endabstimmung, und der Look bleibt auf beiden Geräten identisch. So teste ich schon an der Straßenbahn am Steintor die ersten Presets aus meinem Workflow-Paket und finalisiere den Rest zu Hause. Wer den Ablauf lieber ohne Kursdruck aufbaut, findet in meinen 5 Tipps für den Illustrator Style einen Anfang.

Lightroom als Skizzenbuch — und wann Photoshop besser passt

Photoshop nutze ich für Aquarell-Scans und Buchcover, nicht für Familienfotos — dafür ist es mir zu schwerfällig, als würde man mit dem Ölfarben-Set eine schnelle Café-Skizze machen. Lightroom bleibt mein Skizzenbuch: Look sehen, die eigene Handschrift wiedererkennen, weiter. Der Lifestyle-Presets-Satz schlägt für mich die Brücke zwischen Foto und Zeichnung. Wer dagegen tief in reine Landschaftsfotografie einsteigen will, ist mit einem spezialisierten Weg wie der Bildbearbeitung für Landschaftsfotografie in Photoshop womöglich besser bedient — für meinen Mix aus Porträt und Natur am Ufer bleibt das Preset-Paket ungeschlagen.

Sony Alpha Kamera auf dem Zeichentisch neben Skizzenbüchern und bearbeiteten Familienporträts

Wer gerade an Frühlingsbildern verzweifelt, die zu bunt und zu wenig echt wirken, braucht nicht den harten Weg durch jeden Kurs — manchmal reicht eine gute visuelle Basis, um die eigene Stimme zu finden. Für mich ist das Preset-Paket von Mein Workflow die ehrlichste Abkürzung zum eigenen Stil. Und dann zurück zu den echten Pinseln, die nächste Illustration wartet schon auf dem Zeichentisch.