
Dienstagmorgen im Paulusviertel. Das Licht fällt schräg durch die hohen Fenster meiner Hinterhof-Wohnung, streift die Aquarellkästen und landet hart auf der Tastatur meines MacBooks. In der Luft liegt dieser Geruch nach frischem Kaffee und dem feuchten Papier meiner aktuellen Skizzen. Vor mir auf dem Schirm: Ein Foto vom kleinen O., aufgenommen letzte Woche an den Saale-Wiesen. Er rennt durch das hohe Maigras, die Haare zerzaust, das Licht der tiefstehenden Sonne fängt sich in den Halmen. Eigentlich ein perfekter Moment.
Aber die RAW-Datei aus meiner alten Sony Alpha 6000 sieht aus wie eine unfertige Bleistiftskizze. Blass. Technisch okay, aber ohne Seele. Es fehlt die Tonalität, die ich von meinen Illustrationen gewohnt bin. Bevor ich dir erzähle, wie ich dieses digitale Grau in Bilder verwandle, die sich wie ein Kinderbuch anfühlen: Diese Seite enthält Affiliate-Links. Wenn du über einen dieser Links ein Preset-Paket oder einen Kurs kaufst, bekomme ich eine Provision â für dich entstehen keine Mehrkosten. Ich verlinke nur Produkte, die ich selbst bezahlt und in echten Familien-Aufträgen hier in Halle getestet habe. Mein Wort als Burg-Absolventin.
Warum ich beim Lightroom-Kurs kapituliert habe (und was das für meinen Stil bedeutet)
Ich bin keine Fotografin im klassischen Sinn. Ich habe mein Diplom an der Burg Giebichenstein in Illustration gemacht. Ich denke in Farbstimmungen und Lichtkanten, nicht in Histogrammen. Letztes Jahr hatte ich mir den Adobe Lightroom Classic Komplettkurs geholt. Ãber 40 Lektionen. Ich habe mich durch die ersten vier Module gequält â Bildorganisation, Weissabgleich. Aber als es um die mathematische Logik von Masken-Algorithmen ging, hat mein Kopf zugemacht.
Dieses lineare Lernen widerspricht meiner Intuition. Ich will nicht wissen, warum eine Kurve so berechnet wird; ich will fühlen, wie sich der Schatten unter einer Weide an der Saale weich anfühlt. Der Kurs ist super für Leute, die Struktur lieben. Für mich war er wie eine Mathe-Hausaufgabe am Freitagnachmittag. Ich habe nach Modul 4 abgebrochen. 149 Euro Lehrgeld für die Erkenntnis: Ich brauche digitale Pinsel, keine Vorlesung. Ich brauche eine visuelle Basis, von der aus ich starten kann, ohne erst ein Informatik-Studium abzuschliessen. Wer aber wirklich von der Pike auf lernen will, wie die Software atmet, findet dort sicher seinen Weg. Mein Weg war es nicht.

Die Suche nach der digitalen Lichtkante im Paulusviertel
Im September 2024, als ich im Atelier-Café saà und frustriert durch meine blassen Urlaubsfotos scrollte, bin ich über ein deutsches Preset-Paket gestolpert. Rund siebzig Euro für 100 Looks. Als Freiberuflerin überlegt man sich solche Ausgaben zweimal, aber ein einziger bezahlter Familien-Shoot in der Dölauer Heide spielt das locker wieder ein. Das Paket 100 Lightroom-Presets für Reise- und Landschaftsfotografen war eigentlich für Bergwanderer gedacht. Aber für die Saale-Aue? Ein Volltreffer.
Ich nutze diese Presets wie eine Grundierung beim Aquarell. Ein Klick auf âCinematic 02â und plötzlich hat das trübe Wasser der Saale diese Tiefe, die ich sonst mit drei Schichten Tusche aufbaue. Es ist eine enorme Zeitersparnis. Früher habe ich Stunden damit verbracht, den âGiftgrünâ-Stich der Saale-Wiesen im Frühling zu bändigen. Heute lege ich den Look drüber und fange direkt an, an der Tonalität zu feilen. Wenn du wissen willst, wie sich die verschiedenen Stile unterscheiden, schau dir mal meinen Vergleich an: Moody vs Natural Look: Welche Presets passen zu deinem Illustrationsstil?.
- Cinematic: Mein Anker für weite Szenen auf der PeiÃnitzinsel. Es beruhigt das Grün und gibt dem Bild eine filmische Ruhe.
- Moody: Perfekt für die schattigen Ecken am Riveufer. Es betont die Lichtkante auf den Gesichtern und lässt den Hintergrund in einem tiefen, ruhigen Blau-Grün versinken.
- Natural: Wenn die Hauttöne bei direktem Licht zicken. Es ist wie ein weicher Radiergummi, der die Härte aus dem Bild nimmt.
Ein konkreter Nachmittag: Das Licht am Galgenberg bändigen
Letzte Woche hatte ich ein Shooting mit einer jungen Familie am Galgenberg. Spätnachmittag. Die Sonne stand tief, aber sie war gnadenlos. Solches Licht ist für die Sony Alpha 6000 eine Herausforderung â die Lichter brennen schnell aus, die Schatten werden schwarz und leblos. In Lightroom Mobile auf dem iPad sahen die Bilder erst einmal deprimierend aus. Zu viel Kontrast. Zu wenig Magie.

Ich habe das Preset âNatural 03â aus dem Mein Workflow Paket drübergelegt. In Sekunden hat sich die Dynamik verändert. Die Haut des Babys sah nicht mehr nach reflektierendem Plastik aus, sondern bekam diese samtige Textur, die ich in meinen Kinderbüchern so liebe. Ich habe dann nur noch den Belichtungs-Regler ein Stück nach links gezogen, fast so, als würde ich eine Lasur über ein Bild legen. Was ich an dem Paket schätze: Ich habe die .xmp-Dateien am MacBook im Atelier für die finale Bearbeitung und die .dng-Dateien auf dem iPhone. So kann ich oft schon beim Warten auf die Strassenbahn am Steintor die ersten Looks ausprobieren. Es macht den Workflow so viel leichter, wenn man nicht erst 5 Tipps für den Illustrator Style in Lightroom ohne Kurs-Stress auswendig lernen muss, sondern direkt am lebenden Bild experimentiert.
Manchmal verwerfe ich Bilder auch komplett. Ein Foto von den Zwillingen unter der Giebichensteinbrücke â technisch perfekt scharf, aber das Licht war zu flach. Auch das beste Preset kann keine Lichtkante zaubern, wo keine war. Das ist wie beim Zeichnen: Wenn die Komposition nicht stimmt, hilft auch das teuerste Papier nichts.
Technik, die verschwindet, damit das Gefühl bleibt
Oft werde ich gefragt, warum ich nicht einfach Photoshop nehme. Ich nutze Photoshop seit Jahren für meine Illustrationen, um Aquarell-Scans zu säubern oder Buchcover zu setzen. Aber für Familienfotos? Da ist mir Photoshop zu schwerfällig. Es fühlt sich an, als würde man mit einem Ãlgemälde-Set versuchen, eine schnelle Skizze im Café zu machen. Lightroom ist mein Skizzenbuch.
Der Lifestyle-Presets-Satz hat mir geholfen, eine Brücke zu schlagen. Ich sitze jetzt nicht mehr ratlos vor dem Regler für âKlarheitâ und frage mich, ob das jetzt nach Foto oder nach Kunst aussieht. Ich sehe den Look, erkenne meine Handschrift wieder und kann mich auf das Wesentliche konzentrieren: Den Moment, in dem das Kind lacht und das Saale-Licht genau richtig in die Kamera fällt. Wer tiefer in die Landschaftsfotografie einsteigen will, für den gibt es auch spezialisierte Wege wie die Bildbearbeitung für Landschaftsfotografie, aber für meinen Mix aus Porträt und Natur bleibt das Preset-Paket ungeschlagen.

Gestern Abend saà ich noch lange am MacBook. DrauÃen war es schon dunkel, die Laternen im Paulusviertel warfen gelbe Kreise auf das Kopfsteinpflaster. Ich habe die Galerie für die Familie fertig gemacht. 40 Bilder. Alle aus einem Guss. Als ich fertig war, fühlte es sich an wie ein fertiges Bilderbuch. Ein schönes Gefühl. Falls du auch gerade an deinen Frühlings-Bildern verzweifelst, die irgendwie zu âbuntâ und zu wenig âechtâ wirken â probier es mal mit einer visuellen Basis. Es muss nicht der harte Weg durch jeden Kurs sein. Manchmal reicht ein guter digitaler Pinsel, um die eigene Stimme zu finden.
Wenn du jetzt selbst Lust hast, deinen Bildern diesen besonderen Schliff zu geben, schau dir das Preset-Paket von Mein Workflow an. Es ist für mich die ehrlichste Abkürzung zum eigenen Stil, die ich bisher gefunden habe. Und jetzt? Zurück zu den echten Pinseln. Die nächste Illustration wartet schon auf meinem Zeichentisch.