Natürliches Licht nutzen für authentische Familienporträts: Mein Weg vom Aquarell zum Lightroom-Tagebuch

Überarbeitet
Natürliches Licht für authentische Familienporträts — weiches Hinterhoflicht im Paulusviertel in Halle

Drei Regler. Mehr fasse ich an einem Familienporträt aus weichem Naturlicht meistens nicht an — Weißabgleich, Tiefen, ein Hauch Klarheit, dann lasse ich das Bild in Ruhe. Das überrascht Eltern, die glauben, gute Familienfotografie entstehe erst am Rechner. Bei natürlichem Licht macht das Licht die Arbeit, nicht der Lightroom-Workflow. Wenn die Sonne im Hinterhof im Paulusviertel diffus über den Waschküchenanbau fällt, liegt der weiche Illustrator-Stil, den ich aus meinen eigenen Zeichnungen kenne, schon im Bild — wie eine erste Lavierung auf feuchtem Papier. Die Fragen, die mir Familien hier in Halle bei der Sichtung stellen, drehen sich fast alle um dieses eine Missverständnis.

Muss ich bei weichem Naturlicht überhaupt viel bearbeiten?

Kaum. Weiches Außenlicht liefert die Hauttöne oft schon vorbearbeitet, da braucht es nur wenig Preset — den Satz sage ich Eltern fast bei jeder Sichtung. Mein Kriterium ist einfach: Wirkt die Haut im Schatten stimmig, bleibt der Regler fast unten; kippt sie ins Fahle, korrigiere ich, aber winzig. Ob RAW oder JPEG die klügere Grundlage ist, ist ein eigenes Thema — für dieses milde Licht arbeite ich in RAW und lasse es dabei. Und das Ganze läuft bei mir aus dem Bauch, nicht nach Curriculum, so wie eine Illustratorin eine Form erst fühlt und dann setzt.

Der Blaustich im Hinterhofschatten

„Warum sind die Bilder aus dem Schatten so kühl?" — auch so eine Frage, die fast jede Familie stellt. Neulich hob eine Mutter im Hinterhof ihre Tochter hoch, und im Schatten kippte die Haut ins Bläuliche; ich schob die Temperatur nur einen Tick zurück, und der Moment stimmte wieder. Das ist der ganze Trick: Der Schatten unter dem Waschküchenanbau schluckt die Sonne und wirft das Himmelblau auf die Wangen. Ein Tick wärmer, nicht mehr. Wer den Regler zu weit dreht, bekommt orange Gesichter — und dann sieht ein Kind aus wie durch einen Katalogfilter gezogen. Diesen malerischen, ganz leicht angewärmten Look habe ich mir Griff für Griff erarbeitet; wie das im Detail aussieht, steht unter Bilder bearbeiten wie gemalt.

Aquarellpinsel neben Lightroom-App auf dem Smartphone — Illustrator-Stil im Atelier Paulusviertel

Blitz oder das Licht, das schon da ist?

Immer das Licht, das schon da ist. Ein Blitz ist für mich wie ein harter Radiergummi — er löscht die Atmosphäre, die weichen Härchen im Gegenlicht, die kleinen Unebenheiten, die ein Gesicht erst echt machen. Haut unter Blitzlicht wird glatt wie eine Vektorfläche, und genau das will ich bei Kindern nicht. Lieber suche ich den Winkel, in dem das diffuse Licht die Wangenknochen nur streift. Das ist wie beim Skizzieren: Man dreht das Blatt, bis die Form sitzt. Harte Schatten lese ich dabei als Struktur, nicht als Fehler — ein Thema, das einen eigenen Eintrag verdient.

Den Lightroom-Workflow am Charakter der Familie ausrichten

„Welcher Look denn nun?" Das hängt an der Familie, nicht am Preset-Katalog. Eine leise, in sich gekehrte Familie verträgt einen kühleren, zurückgenommenen Ton; eine laute Rasselbande im Hinterhof will Wärme und Kontrast. Ob ein Bild eher den Moody- oder den Natural-Look trägt, entscheide ich am Charakter der Menschen davor — Moody vs Natural Look. Tilo Benz, ein befreundeter Buchgestalter aus Leipzig, vergleicht den Klarheit-Regler gern mit der Zurichtung im Druck: zu viel Druck aufs Papier, und die feinen Rasterpunkte saufen ab. Genauso ist es mit der Klarheit im Kindergesicht — ein Hauch gibt Kontur, ein Zuviel macht die Haut kreidig.

Weiches natürliches Licht und Schatten auf Holzboden mit Kinderspielzeug bei der Familienfotografie

Hauttöne bekommst du nicht über Ebenenmasken hin

Das habe ich am eigenen Bild gelernt. Am Anfang habe ich Hauttöne mit Ebenenmasken freigestellt, so wie ich am iPad Farbflächen trenne — und bei Haut geht das schief. Die Übergänge werden hart, die Wange bekommt eine Kante, die kein echtes Gesicht hat. Bei einem Bild aus dem Hinterhof zog ich außerdem die Tiefen hoch, bis alles gleichmäßig hell war, und nahm es sofort zurück, weil die Gesichter flach wurden wie ein Aufkleber. Seitdem baue ich den weichen Look lieber über Presets als Grundierung auf, weil das den Fluss nicht zerhackt — mehr dazu unter Lightroom Presets statt Photoshop Ebenen. Der Weißabgleich bleibt mein erster Pinsel, die Tiefen meine Lasur, und die Regler sind keine starren Gesetze.

Lightroom-Workflow am MacBook mit Galerie der Familienporträts und Teetasse

Das Echte schlägt das Perfekte

Henning — der Vater, den mir die Wirtin aus dem Atelier-Café empfohlen hat — kam neulich wieder zu spät, eine Dose selbstgebackener Waffeln unterm Arm, und fragte beim Durchsehen: Muss man die Bilder nachher nicht komplett aufhübschen? Nein. Das schönste aus der Serie war eines, in dem seine Tochter im Halbschatten stolperte und lachte, das Licht nicht perfekt, die Geste echt. Kein Blitz hätte diesen Moment eingefangen, ohne ihn zu zerstören. Mein Maßstab beim Sichten ist deshalb nicht das sauberste Histogramm, sondern die ehrlichste Geste — streiten sich beide, gewinnt die Geste. Genau das nehme ich aus dem weichen Naturlicht mit: Es zwingt mich, auf den Moment zu reagieren, statt ihn zu überschreiben.