Bilder bearbeiten wie gemalt: Mein Lightroom Workflow für sanfte Aquarelleffekte

Lightroom-Workflow für sanfte Aquarelleffekte an einem Familienporträt im Illustrator-Stil

Zwei Versionen desselben Familienbilds, nebeneinander auf dem Bildschirm. Links das, was die automatische Korrektur daraus gemacht hat. Rechts der Look, den ich selbst gewählt habe — weicher, wie mit Wasserfarbe angehaucht. Genau darum dreht sich mein Lightroom-Workflow: nicht um technische Perfektion, sondern um Family-Lifestyle-Fotografie im Illustrator-Stil, um kreative Bildbearbeitung, die nach Halle (Saale) und nach meiner eigenen Handschrift aussieht. Die eine Erkenntnis gleich vorweg — das Gemalte ist eine Entscheidung, kein Automatik-Knopf.

Bevor ich zeige, wie diese beiden Wege sich unterscheiden, ein offenes Wort: Diese Seite enthält Affiliate-Links. Kaufst du über einen davon ein Preset-Paket oder einen Kurs, bekomme ich eine Provision — für dich wird nichts teurer. Verlinkt wird nur, was ich selbst bezahlt und in echten Familien-Aufträgen getestet habe. Wie meine alte Sony Alpha 6000, die ich seit dem Studium an der Burg Giebichenstein mitschleppe.

Zwei Wege zum gemalten Look — Automatik gegen Illustrator-Blick

Der eine Weg ist der systematische. Alles der Reihe nach: Histogramm, Weißabgleich, Tonwertkorrektur, Katalog. Genau dafür ist ein Adobe Lightroom Classic Komplettkurs gebaut — über vierzig Lektionen in kurzen Häppchen von zwei bis sieben Minuten, dazu dreißig Beispielfotos zum Mitmachen. Für jemanden, der gern Schritt für Schritt durchgeht, ist das solide. Nur läuft die Curriculum-Logik meinem Kopf zuwider. Erst skizziere ich das Gefühl, dann die Details, nicht andersherum. Warum mir der lineare Aufbau nicht liegt, steht in meinem ehrlichen Test zum Lightroom-Kurs.

MacBook mit zwei Bearbeitungsversionen desselben Familienfotos neben einem Aquarell-Skizzenbuch

Die andere Herangehensweise fühlt sich an wie Malen. Ich lege eine Stimmung auf das Bild und baue von da aus nach Augenmaß weiter: ein Pinselstrich hier, eine Lasur dort. Kein festes Kapitel, keine vorgegebene Reihenfolge. Und genau diese zwei Haltungen — durchklicken lassen oder selbst entscheiden — trennen für mich ein technisch korrektes Foto von einem, das sich gemalt anfühlt.

Was macht die automatische KI-Korrektur aus einem Familienbild?

Einmal habe ich es ausprobiert und die automatischen KI-Korrekturen in Lightroom Mobile einfach ungeprüft stehen lassen. Schnell, ein Fingertipp, fertig. Nur war der weiche, gemalte Eindruck danach weg. Die Lichter nach oben gedrückt, die Hauttöne glattgebügelt, das Ganze sah aus wie ein Handy-Schnappschuss aus dem Automatikmodus. Die Korrektur habe ich wieder herausgenommen und von vorn begonnen — diesmal mit einer Stimmung, die ich selbst wählte.

Das ist der Kern des Unterschieds: Die Automatik rechnet ein Bild neutral. Sie zieht alles Richtung Durchschnitt — ausgewogene Lichter, saubere Mitten, korrekte Farbe. Für einen Beleg, eine Doku, eine schnelle Vorschau ist das goldrichtig. Nur ist Durchschnitt das Gegenteil von Stimmung. Sitzt im Bild schon eine Lichtkante mit Charakter — die weiche Kante an den Haaren eines Kindes, das Nachmittagslicht durch die Rosenbögen —, überlasse ich sie nicht der Automatik. Die würde sie glattrechnen.

Leila Messaoudi, eine befreundete Berufsfotografin aus Halle, findet diesen Blick auf Licht ungewöhnlich — sie sagt, ich lese eine Lichtkante eher wie eine Zeichnerin als wie eine Fotografin, und sie meint das als Lob. Da sitzt der Unterschied zur Automatik: Die kennt keine Lichtkante, nur Helligkeitswerte.

Preset als Stimmung, nicht als Knopf

Womit ich arbeite, ist das 100 Lightroom-Presets Paket. Hundert Looks in dreizehn Stilrichtungen — ich hänge fast immer bei „Cinematic“, „Moody“ und „Natural“. Der Unterschied zur Automatik-Taste ist keine Kleinigkeit: Ich klicke nicht auf „auto“, ich wähle eine Stimmung. Das „Moody“-Preset legt sich in die Schatten wie eine dunkle Tusche-Lasur; „Natural“ lässt die Lichtkante an den Haaren so weich, als hätte ich sie mit einem feinen Marderhaarpinsel nachgezogen.

Es ist wie das Anmischen von Aquarell-Farben auf der Palette. Eine Stimmung wählen, dann von Hand nachjustieren, bis die Tonalität zu meinen iPad-Skizzen passt. Der Klarheit-Schieber ist dabei mein Tusche-Druck — sparsam eingesetzt, nur um eine Kontur zu betonen, nie um das Bild hart zu machen. Zieh ihn zu weit, und aus dem Aquarell wird ein Kupferstich.

Zum ehrlichen Vergleich gehört auch der Haken. Das Preset-Paket kommt ohne Anleitung, welcher „Moody“-Look zu welchem Licht passt — du bekommst die Dateien und probierst dich durch. Und wer noch mit Lightroom 7.2 oder älter arbeitet, guckt in die Röhre: Das alte .lrtemplate-Format fällt weg, es braucht Classic CC ab Version 7.3. Kein Drama, aber gut, es vorher zu wissen.

Family-Lifestyle-Foto wird in Lightroom Mobile im Café im Paulusviertel Halle bearbeitet

Praktisch ist, dass das Paket beide Formate parallel liefert — .xmp für Lightroom Classic am MacBook, .dng für Lightroom Mobile auf dem iPhone. Oft edite ich schon im Atelier-Café im Paulusviertel bei einem schnellen Espresso vor und finalisiere später, gleicher Look auf beiden Geräten. Für jemanden, der ständig zwischen Zeichenbrett und Kinderspielplatz pendelt, ist das Gold wert. So wird sogar das Retten blasser Handyfotos zum intuitiven Spiel — vorausgesetzt, du prüfst am Ende jeden Regler selbst, statt der Automatik das letzte Wort zu lassen.

Schatten lesen wie eine Illustratorin

Ein Beispiel: die Gartenfotos vom Oktober im Rosengarten-Weginsel im Volkspark Halle, das Laub schon rostrot. Der „Moody“-Look saß gut auf den Gesichtern — nur zog er einen Laubfleck am Bildrand so dunkel, dass mein Auge ständig dorthin rutschte statt zum Kind. Also einen Schritt zurück, den Look an dieser einen Stelle wieder aufgemacht. Ein zu dominanter Fleck ist wie eine Comic-Linie, die zu dick geraten ist: Sie zieht alle Aufmerksamkeit auf sich, obwohl sie nur Beiwerk sein sollte.

Beim Vergleich der Moody- und Natural-Looks halte ich das Bild immer gegen meine Papierarbeiten. Sieht ein Foto zu digital aus, nehme ich die Sättigung zurück, bis es die Anmutung einer leicht verblassten Illustration bekommt — Tonwertkorrektur wie ein Aquarell-Verlauf, der oben kräftig anfängt und nach unten ausläuft. Kein technischer Prozess. Ich schaue so lange auf den Bildschnitt, bis die Linienführung stimmt, wie bei einem Buchcover — meist beim zweiten Durchgang, wenn ich mich vorbeuge und der alte Eichenstuhl unter mir knarzt.

Für Lotte Felber, eine Keramikerin, für die ich regelmäßig Lifestyle-Aufnahmen mache, war zuletzt genau dieser leicht ausgewaschene Natural-Look richtig — ihre Familienmomente sollten neben den Fotos ihrer Keramik nicht knallen, sondern ruhig danebenstehen.

Gedruckte Familienfotos mit weichem, gemaltem Bildstil an der Atelier-Pinnwand

So entscheide ich mich im Auftrag

Die automatische Korrektur nehme ich, wenn das Licht ohnehin platt und grau war, das Bild nur schnell brauchbar sein muss und der Look zweitrangig ist — eine Vorschau, eine Doku, ein Beleg. Den Preset-als-Stimmung-Weg nehme ich, sobald der weiche, gemalte Eindruck das eigentliche Produkt ist: wenn Licht mit Charakter im Bild sitzt, wenn ein zweiter Blick sich lohnt, wenn das Foto so aussehen soll wie meine Illustrationen. Die Faustregel: Hat das Bild schon eine Stimmung, gebe ich sie nicht der Automatik zur Hand.

Wer weg will vom technischen Frust und hin zu Bildern, die sich wie gemalt anfühlen, findet mit dem Lifestyle-Presets Paket einen guten Startpunkt — nicht als Knopf, der alles erledigt, sondern als Grundstimmung, auf der du nach Gefühl weiterbaust. Der erste Klick setzt die Basis. Den Rest machst du nach Augenmaß. Perfekt muss es nicht sein — es muss sich nur richtig anfühlen.