
Das Licht im Hinterhof-Atelier im Paulusviertel hat heute diese staubige, goldene Qualität, die mich sofort an meine alten Aquarellkästen erinnert. Ich sitze vor dem MacBook, eine Tasse kalter Earl Grey neben mir, und schaue auf die Bilder vom Familien-Shoot an der Peißnitzinsel von letzter Woche. Die RAW-Dateien meiner alten Sony Alpha 6000 wirken erst mal flach. Seelenlos. Fast so, als hätte man zu viel Wasser in die Pigmente gemischt, bevor der Pinsel das Papier berührt.
Bevor ich dir erzähle, wie ich dieses digitale Dilemma löse: Ein kurzer Transparenz-Check. Dieser Text enthält Affiliate-Links. Wenn du über einen dieser Links ein Preset-Paket oder einen Kurs kaufst, bekomme ich eine Provision — für dich entstehen keine Mehrkosten. Ich verlinke hier nur Dinge, die ich selbst für meine Arbeit im Atelier bezahlt und in echten Aufträgen getestet habe. Mein Werkzeug muss funktionieren, sonst fliegt es raus.
Vom Curriculum zum Bauchgefühl: Warum ich Kurse abbreche
Als ich im Mai 2024 anfing, die Familienporträts als zweites Standbein neben meinen Buchillustrationen aufzubauen, dachte ich, ich müsste Lightroom wie ein Informatik-Studium angehen. Ich kaufte den Adobe Lightroom Classic Komplettkurs. Über 40 Lektionen. Systematisch. Linear. Nach Modul 4 war Schluss. Mein Kopf funktioniert nicht so. Ich will nicht wissen, wie man Metadaten-Kataloge für zehntausend Bilder verwaltet — ich will, dass die Lichtkante am Profil der kleinen M. so zart aussieht wie ein iPad-Strich in Procreate.
Ich habe gemerkt: Ich brauche keine Theorie-Akademie. Ich brauche eine digitale Palette, die meine Sprache spricht. Wenn die Bilder zu blass aus der Kamera kommen, ist das für mich wie eine Skizze, die nach Farbe hungert. Ich arbeite intuitiv. Erst das Gefühl, dann der Regler. Und genau da kamen die Presets ins Spiel.

Moody: Wenn das Foto zur Tuschezeichnung wird
Letzten Sonntag war ich am Galgenberg unterwegs. Das Wetter war wechselhaft, wolkenverhangen, dieses typische hallesche Grau, das die Farben eigentlich schluckt. Bei der Bearbeitung der Bilder von Familie S. habe ich mich für den Moody-Look aus dem Lifestyle-Presets-Paket entschieden. Moody ist für mich wie konzentrierte Tusche. Es gibt dem Bild eine Schwere und eine Tiefe, die ich von meinen analogen Arbeiten liebe.
Die Schatten werden nicht einfach nur schwarz. Sie bekommen eine Textur. Eine Tonalität. Bei einem Foto, auf dem der Vater seinen Sohn hochwirft, hat das Moody-Preset die Kontraste so gesetzt, dass der Hintergrund in den Schatten fast verschwindet und nur die Silhouette der beiden übrig bleibt. Fast wie eine gezielte Komposition auf einem Buchcover. Aber Vorsicht: Moody verzeiht wenig. Bei einem Auftrag im April in der Saale-Aue habe ich den Look bei direktem Gegenlicht probiert — die Schatten in den Augenhöhlen waren danach so tief, dass ich ewig händisch korrigieren musste. Da hilft auch kein Klick-Wunder, da muss man den Blick der Illustratorin schärfen und die Tiefen manuell anheben.
- Charakter: Enorm tief, künstlerisch, melancholisch.
- Illustrator-Analog: Hohe Pigmentierung, kräftige Tusche-Linien.
- Ideal für: Bewölkte Tage am Galgenberg oder schattige Hinterhöfe.

Natural: Wie ein zarter Aquarell-Verlauf
Dann gibt es diese Tage, an denen das Licht einfach nur sanft sein soll. Ende Mai hatte ich ein Shooting mit einer jungen Mutter und ihrem Neugeborenen im Garten im Paulusviertel. Alles war weich, die Sonne blinzelte nur durch die Blätter der alten Kastanie. Hier wäre Moody zu gewaltig gewesen. Ich habe den Natural-Look genutzt.
Natural ist wie die erste Schicht eines Aquarells. Viel Wasser, wenig Farbe. Es lässt die Hauttöne atmen. Die Farben bleiben sauber, die Kontraste weich. Es ist mein „Safe Space“. Wenn ich merke, dass eine Familie eher zeitlose, helle Erinnerungen möchte, greife ich zu diesem Stil. In Lightroom Mobile auf dem iPad kann ich das oft schon direkt nach dem Termin im Café um die Ecke vor-editieren. Da das Preset-Paket sowohl .xmp für meinen Rechner im Atelier als auch .dng für das Handy liefert, bleibt der Look konsistent.
Mein Werkzeug-Vergleich: Was passt zu dir?
Vielleicht stehst du auch gerade an dem Punkt, an dem die Technik dich eher ausbremst als inspiriert. Ich habe für mich drei Wege gefunden, wie ich mit dem digitalen Pinsel umgehe. Hier ist meine ganz persönliche Einschätzung aus dem Lichtbildlabor-Alltag:

Wenn ich mal an eine Grenze stoße, wo Lightroom nicht mehr reicht — etwa wenn ich ein Bild extrem manipulieren will, fast wie eine digitale Collage — dann habe ich noch meinen Plan B: Den Kurs für Bildbearbeitung mit Photoshop. Da ich Photoshop sowieso für meine Buchcover-Kompositionen nutze, ist das vertrautes Terrain. Aber ehrlich: Für 95 % meiner Familien-Lifestyle-Aufträge ist der Workflow mit den Presets in Lightroom Classic unschlagbar schnell. Man will ja auch irgendwann mal wieder zum echten Pinsel greifen.
Fazit: Fühlen statt Rechnen
Egal ob Moody oder Natural — am Ende zählt, dass das Bild die Geschichte erzählt, die du im Kopf hattest, als du den Auslöser gedrückt hast. Für mich als Burg-Absolventin war der Weg weg von der „Foto-Akademie-Logik“ hin zum intuitiven Editieren mit dem Lifestyle-Presets-Paket die Rettung. Es spart mir die Zeit, die ich lieber in die Bildkomposition stecke.
Wenn du in Halle oder woanders gerade dein zweites Standbein aufbaust: Trau dich an die künstlerischen Looks ran. Probier Moody für die dramatischen Momente und Natural für die zarten. Dein eigener Stil wächst nicht aus einem Lehrbuch, sondern aus jedem einzelnen Foto, das du bearbeitest. Ich trinke jetzt meinen Tee aus und mache mich an den nächsten Bildschnitt — das Licht im Paulusviertel wird gerade perfekt für eine letzte Skizze am Fenster.