
Ich sitze im Hinterhof-Café im Paulusviertel. Der Efeu an der Backsteinwand wirft tanzende Schatten auf mein iPad. Vor mir ein flauer Raw-Abzug vom letzten Familien-Shooting an der Saale. Ich versuche, das Foto so weich zu bekommen wie eine Aquarell-Lasur. Ein kurzer Moment Ruhe, bevor die nächste Illustration für das Kinderbuch fällig ist.
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Das iPad als digitales Skizzenbuch für Licht
Früher dachte ich, Fotobearbeitung braucht einen riesigen Rechner und dunkle Räume. Aber als Illustratorin bin ich das Arbeiten am iPad gewohnt. Kurze, schnelle Linien. Intuitives Schieben. Die 24.3 Megapixel meiner alten Sony Alpha 6000 landen per SD-Adapter direkt in Lightroom Mobile. Es fühlt sich weniger nach Technik an, mehr nach Malen. Das Display meines iPad Pro nutzt den P3 Farbraum, was mir als Grafikerin wichtig ist — die Farben sind so satt wie meine Tusche-Töpfe im Atelier.
Letzten Herbst, während der goldenen Stunde in der Saale-Aue, hatte ich dieses eine Licht. Warm, fast klebrig wie Honig. Aber auf dem Bildschirm sah es erst mal nur... technisch aus. Kalt. Ich saß am MacBook und starrte auf das Histogramm. Ich dachte: Dieses Foto ist technisch perfekt, aber es hat keine Seele. Es fehlte die Lichtkante, die ich in meinen Zeichnungen so liebe.

Warum lineare Kurse für mich nicht funktionieren
Ich hab es versucht. Wirklich. Im Mai 2024 habe ich mir den Adobe Lightroom Classic Komplettkurs [Mein Crashkurs] gekauft. Ich wollte es „richtig“ lernen. Aber nach Modul 4 war Schluss. Ich habe den Browser-Tab mitten im Satz geschlossen, weil der Dozent gerade Dateibenennungs-Konventionen erklärte, statt über Farbharmonie zu sprechen. Mein Kopf funktioniert nicht in Curriculums. Ich muss fühlen, was ein Regler macht, nicht wissen, in welchem Untermenü er wohnt. Wer aber Struktur braucht, für den ist der Lightroom Grundkurs im Test sicher das Richtige.
Ich brauche einen Workflow, der zu meinem Leben als freie Illustratorin und Mutter passt. Wenn die Kleine im Sandkasten spielt oder mal kurz schläft, habe ich vielleicht zehn Minuten. Da kann ich keinen Rechner hochfahren und Kataloge synchronisieren. Da brauche ich das iPad. Ein Klick, ein Look, fertig. Diese „Sekundenbruchteile-Bearbeitung“ ist mein Überlebensmodus.
Der Brückenschlag: Landschafts-Looks für weiche Porträts
Im September 2024 kam der Wendepunkt. Ich habe ein deutsches Preset-Paket entdeckt, das eigentlich für Berge und Wälder gedacht war: 100 Lightroom-Presets für Reise- und Landschaftsfotografen [Mein Workflow]. Erst dachte ich, das passt nicht. Aber dann habe ich den Look „Cinematic“ auf ein Foto vom Spielplatz-Shoot in Glaucha gelegt. Ein tiefes Ausatmen. Ein Lächeln. Die harte Mittagssonne wurde plötzlich zu diesem weichen, nostalgischen Glanz, den ich sonst mühsam mit Aquarell-Farben schichte.
Diese Presets nutzen das .xmp-Format, das seit Lightroom 7.3 Standard ist. Das Tolle: Ich kann sie auf dem iPad genauso nutzen wie am Rechner im Atelier. Ich habe gelernt, dass Landschafts-Presets oft viel mehr Tiefe für meine Familienfotos bringen als die klassischen „Beauty“-Filter, die alles nur glattbügeln.

Das haptische Gefühl beim Editieren
Es gibt diesen einen Moment beim Bearbeiten auf dem iPad. Wenn ich mit dem Apple Pencil über das Display fahre. Ich habe eine matte Schutzfolie drauf. Der leichte Widerstand des Stifts auf der Oberfläche, wenn ich die Belichtung sanft in das Gesicht eines Kindes male — das ist wie das Setzen einer Lichtkante in einer Illustration. Es ist körperlich.
Ein grauer Nachmittag im November war so ein Tag. Das Licht im Hinterhof im Paulusviertel war stumpf. Fast leblos. In Lightroom Mobile habe ich ein „Moody“-Preset drübergelegt und dann nur mit dem Pinsel die Schatten angehoben. Der Klarheit-Schieber wirkt dabei oft wie ein Tusche-Druck: Zu viel davon und das Bild wird hart und schmutzig. Zu wenig und es bleibt flach. Man braucht Fingerspitzengefühl, keine Tabellen.
Mein mobiler Workflow: Zwischen Café und Saale-Ufer
Mein „Lichtbildlabor“ ist heute kein fester Ort mehr. Es ist mein iPad in meiner Tasche. Ein paar Wochen vor den Osterferien habe ich eine ganze Serie im Atelier-Café bearbeitet, während ich auf einen Kunden gewartet habe.
- Import der Raw-Dateien via USB-C.
- Erste Sichtung und Aussortieren (was keine Emotion weckt, fliegt raus).
- Anwenden der „Natural“- oder „Moody“-Presets aus dem Paket für Reisefotografen.
- Feinschliff mit dem Stift: Augen betonen, störende Äste im Hintergrund abdunkeln.

Es ist kein technisches Abarbeiten mehr. Es ist eine Erweiterung meiner künstlerischen Praxis. Wenn du auch eher intuitiv arbeitest und keine Lust auf endlose Theorie-Module hast, probier es mal mit einem guten Set an Looks. Es spart nicht nur Zeit, es gibt deinen Fotos eine Tonalität, die über das rein Dokumentarische hinausgeht. Für mich war dieser Weg — weg vom starren Kurs, hin zum spielerischen Preset-Workflow auf dem iPad — genau das, was ich als Illustratorin gebraucht habe.
Vielleicht sehen wir uns ja mal an der Saale, mit der Kamera in der einen und dem iPad in der anderen Hand. Bis dahin: Trau dich an die Regler, als wären es Pinsel.