
Alle Bilder eines Nachmittags markiert, der Cursor schwebt über „Einstellungen einfügen", und ich zögere. Ein Familien-Shooting am Saale-Ufer unterhalb der Giebichenstein-Brücke, rennende Kinder, Leinen im Wind, eine ganze Serie ARW-Dateien auf dem Bildschirm. Der Reflex sagt: ein Preset drüber, weiter. Der Illustratorinnen-Teil in mir bremst. Denn ob dieses Batch-Editing die Familienfotos in Lightroom wirklich schneller macht oder mir hinterher stundenlange Korrektur einbrockt, entscheidet sich vor dem ersten Klick, an einer einzigen Frage: War das Licht über die ganze Serie gleich? Presets sind gnadenlos ehrlich. Sie legen denselben Look über jedes Bild, und was auf dem einen trägt, kippt auf dem nächsten. Mein ganzer Workflow für die Familienfotografie hängt an dieser einen Vorentscheidung.
Ein Preset über den ganzen Stapel — wann das reicht
Gleichmäßiges Licht ist der beste Freund des Stapels. Bedeckter Himmel, alle im offenen Schatten, die Sonne bleibt hinter der Wolkendecke, dann darf der Look einmal über die komplette Auswahl. Für Lotte Felber passte das neulich: die Keramikerin aus dem Maker-Space bringt zu jedem Termin ihre eigenen Requisiten mit, Leinendecken und ihre Tassen, und wir hatten weiches, ruhiges Licht. Ein Referenzbild eingestellt, den „Natural"-Look drauf, synchronisiert, durch. Der Klarheit-Regler wirkt dabei wie Tusche-Druck: eine Spur zu viel, und die weiche Linie kippt ins Harte. Also lasse ich ihn niedrig. Ein Preset ist wie angemischtes Pigment; es braucht einen vorbereiteten Grund, sonst zieht die Farbe fleckig ein.

Kurz hatte ich mit einer Studio-Blitzanlage auf Raten geliebäugelt — konstantes Licht per Knopfdruck, jeder Batch würde sitzen. Falscher Weg für das, was Familien von mir wollen. Sie kommen ans Saale-Ufer, weil ihnen genau dieses echte Nachmittagslicht gefällt, nicht die gleichmäßige Ausleuchtung einer Kabine. Also bleibt das Licht ungezähmt, und der Workflow muss damit umgehen, statt es zu ersetzen.
Wenn das Licht mitten im Shooting kippt
An der Saale bleibt das Licht selten brav. Eine Wolke schiebt sich weg, plötzlich steht die halbe Familie in der prallen Nachmittagssonne, die andere im Baumschatten. Ein Kind dreht sich, das Gegenlicht vom Wasser legt sich genau auf seine Augen; zöge ich hier stumpf denselben Look über alle Bilder, ersöffen die Wimpern in Weiß. Für genau diese Aufnahmen nehme ich das Preset eine Spur zurück, und die Stimmung bleibt trotzdem stehen. Batch heißt in so einem Fall nicht: einmal alles markieren. Batch heißt: erst nach Licht sortieren, dann innerhalb jeder Gruppe angleichen.

Ein Fehlgriff aus derselben Serie: über den ganzen Stapel hatte ich die Schatten angehoben, weil ein paar Bilder im tiefen Baumschatten zu dunkel wirkten. Auf den offen belichteten Aufnahmen wurden die Gesichter dadurch flau und milchig, die Lichtkante verschwand. Zurückgenommen, nur auf die Schatten-Gruppe angewendet. Genau dafür sortiere ich vorher.
Erst das Referenzbild, dann der Synchronisieren-Knopf
Bevor überhaupt ein Look ins Spiel kommt, gleiche ich die Belichtung der Serie an. Ich suche ein Bild, das sitzt — Gesichter richtig hell, kein ausgefressenes Weiß —, und ziehe die anderen nur über den Belichtungsregler in dieselbe Helligkeit. Das ist wie die Aquarell-Grundierung, die man legt, bevor die erste Farbe kommt: langweilig, aber ohne sie wird nichts gleichmäßig. Erst danach das Preset, erst danach synchronisiert. Beim Synchronisieren nehme ich vor allem Weißabgleich und Farbe mit, die Belichtung habe ich ja schon von Hand gesetzt. Lightroom rührt die Originaldatei dabei nie an, das nimmt mir die Angst, etwas kaputtzumachen. Wie ich diesen weichen Grund später vertiefe, steht dort, wo ich Bilder bearbeite wie gemalt — bei den sanften Kanten.

Was Leila trocken dazu sagt
Leila Messaoudi, mit der ich befreundet bin und die hauptberuflich fotografiert, hält mit Kritik nicht hinterm Berg. Als ich ihr erzählte, dass ich einen Weißabgleich schon mal quer über gemischtes Licht synchronisiere, sagte sie nur: bequem, aber faul. Sie hatte recht. Ein Look, der über Sonne und Schatten denselben Weißabgleich stülpt, macht die einen Gesichter zu warm und die anderen zu kühl. Seitdem trenne ich die Lichtsituationen, bevor synchronisiert wird, auch wenn es den ersten Reflex, einfach alles zu markieren, ausbremst. Die Hauttöne prüfe ich immer zuletzt; an ihnen entscheidet sich, ob ein Batch-Look über die ganze Serie wirklich trägt. Dass ich dafür zu Presets greife und nicht zu Ebenen, hat seinen Grund; an anderer Stelle habe ich beschrieben, warum ich als Illustratorin Lightroom Presets statt Photoshop Ebenen nutze.
Steht die Sortierung, läuft der Rest fast von allein. Die Platte fängt an zu arbeiten, während Lightroom sich durch den ARW-Stapel rechnet und eine Vorschau nach der anderen aufbaut — der Moment, in dem ich Kaffee holen kann. Kein Regler mehr, kein Grübeln. Genau die Zeit, die ich sonst Bild für Bild verbrannt hätte, verbringe ich wieder beim Zeichnen, während die Fotos exportieren.
Wann ich welchen Weg nehme
Die Faustregel ist simpel, sobald man sie einmal ausspricht. War das Licht über die Serie konstant — bedeckt, offener Schatten, alle in derselben Zone —, dann ein Referenzbild einstellen, das Preset über die ganze Auswahl, synchronisieren, fertig; das ist der schnelle Weg, und er trägt. Wechselte das Licht dagegen ständig, wie so oft am Saale-Ufer, dann erst nach Lichtsituation gruppieren und jede Gruppe für sich angleichen, bevor irgendein Look drüber darf. Der zweite Weg kostet ein paar Minuten mehr am Anfang und spart dir die Stunde hinterher, in der du sonst jedes zweite Bild einzeln reparierst. Presets nehmen dir das Wiederholen ab, nicht das Hinschauen. Das Sortieren nach Licht bleibt Handarbeit — und die will ich auch gar nicht abgeben.