
Fünfzig Familienfotos, ein Klick, überall dieselbe Farbstimmung. Das kann ein Lightroom Preset, eine Photoshop-Ebene aber nicht. Als Illustratorin hier in Halle an der Saale folgt meine Bildbearbeitung demselben Bauchgefühl wie meine Aquarelle. Der Illustrator Stil steckt nicht im einzelnen Pixel, sondern in der Grundstimmung des ganzen Sets.
Kurz zur Offenheit, bevor es losgeht: Auf dieser Seite stehen Affiliate-Links. Kaufst du über einen davon ein Preset-Paket oder einen Kurs, bekomme ich eine kleine Provision — für dich entstehen keine Mehrkosten. Verlinkt wird nur, was ich selbst bezahlt und in echten Familien-Aufträgen benutzt habe. Mein Diplom von der Burg Giebichenstein ist in Illustration, nicht in Fotografie; ich schreibe aus der Praxis, nicht aus dem Lehrbuch.
Was Lightroom Presets in der Bildbearbeitung können — und eine Ebene nicht
Eine Ebene in Photoshop arbeitet immer an genau einem Bild. Sättigung auf die eine Maske, Lichtkante auf die nächste, der Vordergrundkontrast auf eine dritte. An einem Nachmittag, an dem ich jedes Foto so einzeln aufgebaut habe, waren nach Stunden ganze fünf Bilder fertig und der Kaffee längst kalt. Ein Preset dagegen legt die Farbpalette über die komplette Serie, bevor der erste Handgriff kommt. Wie eine Grundierung auf der Leinwand.
Für eine einzelne Editorial-Illustration ist das Zoomen auf dreihundert Prozent goldrichtig — da zählt jedes Pixel. Für eine Serie von Familienbildern, die zusammen eine Geschichte erzählen soll, ist es der sichere Weg, die Komposition des Ganzen aus den Augen zu verlieren. Photoshop ist ein Skalpell. Der Look einer ganzen Serie braucht einen breiten Pinsel. Die Faustregel, die mir seitdem hilft: Ein einzelnes Heldenbild darf ins Detail, eine Serie entscheidest du über die Stimmung.

Verliere ich mit einem Preset die Kontrolle?
Das ist die Frage, die mir Atelier-Kolleginnen am häufigsten stellen. Nein, ein Preset ist ein Startpunkt, kein Schloss. In Lightroom bleibt nach dem Aufziehen jeder Regler offen: Schatten anheben, die Wärme der Haut einen Hauch zurücknehmen, wenn sie kippt. Nichts davon brennt sich ins Foto. Nimm den Look als Basis und justiere danach nur das eine Gesicht nach, das wirklich zählt — so behältst du die Kontrolle und sparst trotzdem die Stunden. Damit das klappt, brauchst du allerdings Spielraum in der Datei: Einmal habe ich JPEG statt RAW fotografiert, um Speicher zu sparen, und beim Nachziehen der Schatten war er schlicht nicht da.
Tilo Benz, ein befreundeter Buchgestalter aus Leipzig, hält von der ganzen Sache wenig. Presets nennt er eine Krücke und entwickelt lieber jedes Bild von Hand. Für seine einzelnen Buchtafeln ergibt das Sinn — da hängt alles an einer perfekten Seite. Bei einer Familienserie aber, in der viele Aufnahmen dasselbe Nachmittagslicht am Hang der Weinberge am Reilsberg teilen, würde mich seine Methode einen ganzen Tag kosten. Je mehr Bilder denselben Moment teilen, desto mehr verdient sich ein Preset seinen Platz.
Brauche ich dafür einen systematischen Kurs?
Nötig ist er nicht. Ich habe mir einmal den Adobe Lightroom Classic Komplettkurs geholt und nach Modul vier aufgehört — nicht weil er schlecht wäre, sondern weil der streng lineare Aufbau gegen meinen intuitiven Blick lief. Erst die Technik verstehen, dann das Bild fühlen: falsche Reihenfolge für jemanden, der die Stimmung skizziert, bevor er die Farbe sucht. Wer gern Schritt für Schritt durchgeht, ist damit gut bedient. Ich picke mir lieber ein, zwei Grundlagen heraus und lerne den Rest am eigenen Auftrag.
Lightroom oder Lightroom Classic: meine echte Wahl
Beide werden ständig verwechselt, dabei sind es zwei verschiedene Programme. Ich arbeite mit Adobe Lightroom, der Creative-Cloud-Version — nicht mit Lightroom Classic. Die Presets importiere ich als XMP-Datei, und die Cloud hält den Look zwischen MacBook und Handy identisch. Genau das zählt, wenn du im Café am Telefon die Vorauswahl triffst und zu Hause am großen Schirm finalisierst: Ohne diese Synchronisation hast du zwei Programme mit zwei Ergebnissen. Prüf vor dem Kauf, ob dein Preset-Paket das XMP-Format mitbringt.
Das Lifestyle Presets Paket, das ich nutze, liefert beide Formate parallel und bringt hundert Looks in dreizehn Stilrichtungen mit. Gedacht war es für Reise- und Landschaftsfotografie, doch als Illustratorin habe ich sofort gesehen: Die Tonalität von „Cinematic", „Moody" und „Natural" trifft genau meinen Strich. Ein Tutorial liegt nicht bei — welcher Look zu welchem Licht passt, findest du selbst heraus. Bei mir hat das gedauert, aber es hat meinen Blick geschärft.

Eine ganze Serie im Illustrator Stil bearbeiten
Die zweithäufigste Frage lautet: Wie werden fünfzig Bilder so schnell einheitlich? Den Look ziehe ich über die ganze Auswahl, dann gehe ich durch und korrigiere nur die Ausreißer. Viele Familienfotos gleichzeitig in Lightroom mit Presets schneller bearbeiten ist mein Alltag geworden — Vorauswahl am iPad, Feinarbeit am Laptop. iPad links, Laptop rechts, beide auf der alten Druckertür, die mir als Tischplatte auf zwei Böcken dient, unter dem Nordfenster, das nie pralle Sonne hereinlässt. Nach zwei Stunden am Stück merke ich erst, wie warm das Gehäuse unter meinem linken Unterarm geworden ist.
Henning, ein Vater, für den ich regelmäßig fotografiere, besteht auf mindestens einem Schwarz-Weiß-Bild pro Serie. Genau da wird wichtig, dass die Basis stimmt: Ziehe ich vorher einen warmen, stimmigen Look über die Farbaufnahmen, trägt derselbe Ausgangspunkt auch die Schwarz-Weiß-Umsetzung — die Tonwerte sitzen, bevor ich die Sättigung herausnehme. Die Wärme der Haut betone ich dabei so behutsam wie einen Hauch Ocker im Aquarell; wie ich diesen Blick auf Hauttöne genau anlege, steht unter Schöne Hauttöne in Lightroom bearbeiten mit dem Blick einer Illustratorin.
Manchmal ist ein Bild zu verbastelt. Dann lösche ich die ganze Bearbeitungshistorie, setze das Preset frisch auf und spüre, wie die Schultern runtergehen. Das ist der Moment, in dem aus Technik wieder Malen wird. Kein Ebenen-Stapel, den ich im Kopf sortiere. Nur Licht und Farbe.
Wenn du lieber bei Photoshop bleibst
Wer Photoshop aus anderen Gründen ohnehin offen hat (ich digitalisiere darin gelegentlich Aquarelle), kann sich das Lightroom-Abo daneben womöglich sparen. Für diesen Fall gibt es Bildbearbeitung Landschaftsfotografie mit Adobe Photoshop, einen Kurs, der seit Jahren etabliert ist. Durchgearbeitet habe ich ihn nicht; er liegt bei mir auf der Reserveliste für Solo-Zeiten mit eigenem Material. Für den weichen, illustrativen Look, den ich bei Familien suche, war der Ebenen-Weg schlicht zu zeitintensiv.
Wenn du diesen weichen Look suchst und keine Lust auf das Ebenen-Chaos hast, fang mit einem einzigen Look an, der sich richtig anfühlt, und arbeite dich von der Stimmung zum Detail vor. Fotografie ist für mich nur eine andere Art zu zeichnen — mit Licht statt mit Tusche. Die Presets sind dabei längst meine liebsten Pinsel geworden.