Harte Schatten bei Familienfotos im Freien mit Lightroom Presets korrigieren

Familienfoto im Freien mit harten Schatten im Gesicht — Ausgangslage für die Schatten-Korrektur mit Lightroom-Presets

Ein Preset hebt die Tonalität eines ganzen Bildes — einen harten Mittagsschatten unter den Augen hebt es nicht mit weg. Das ist der Satz, den ich mir bei Outdoor-Familienfotos vorsage, bevor ich überhaupt an Lifestyle-Presets denke. Die meisten Lightroom-Tipps zur Schatten-Korrektur setzen am Regler an. Ich setze beim Licht an. Denn ob ein Preset die harte Kante rettet oder nur verschiebt, entscheidet sich lange vor dem ersten Klick — daran nämlich, ob in den dunklen Partien überhaupt noch Zeichnung steckt.

Welchen harten Schatten rettet ein Preset — und welchen nicht?

Zwei Fälle liegen auf dem MacBook, wenn ich die Bilder von der Peißnitz durchsehe. Beim ersten erkenne ich unter dem Auge noch Hautstruktur — dunkel, matt, aber lesbar. Beim zweiten ist da nur stumpfes Schwarz, ein Loch ohne Information. Fall eins lässt sich retten, Fall zwei nicht. Kein Regler, kein Preset holt Zeichnung zurück, die die Kamera nie aufgezeichnet hat. Einmal habe ich zum Speichersparen in JPEG statt in RAW fotografiert — und genau da fehlte mir hinterher der Spielraum, die Tiefen sauber anzuheben. Seitdem ist das mein erster Blick: steckt in den schwarzen Flächen noch etwas, oder sind sie leer? Seit zwei Jahren fange ich draußen mit dieser einen Frage an.

Das Licht lesen, bevor du den ersten Regler anfasst

Hartes Licht kommt von einer kleinen, hoch stehenden Quelle — die Mittagssonne über der Saale ist genau das. Kleine Quelle, scharfe Kante. Der Schatten fällt steil, direkt unter Nase, Kinn und Augenbrauen, mit einem harten Rand, fast wie mit einem zu fest aufgedrückten Stift gezogen. Weiches Licht dagegen kommt breit und gestreut: ein bewölkter Nachmittag, oder der Halbschatten unter den großen Bäumen auf der Peißnitz. Dann läuft der Übergang als Verlauf aus, nicht als Bruch — und ein Verlauf lässt sich bearbeiten, ein Bruch kaum.

Bevor ich ein Regler-Fenster öffne, lese ich das Bild wie eine Skizze. Woher kommt das Licht? Wo sitzt die dunkelste Stelle im Gesicht? Ist der Übergang von hell zu dunkel weich oder ein Kantenbruch? Schatten sind nichts Böses — sie geben dem Gesicht Form, so wie ich beim Schattieren einer Zeichnung dunkle Stellen stehen lasse, damit die Nase überhaupt eine Form bekommt. Ein Gesicht ganz ohne Schatten wirkt flach wie ein Aufkleber. Es geht also nie darum, den Schatten zu töten, sondern seine Härte zu brechen.

Tilo, ein befreundeter Buchgestalter aus Leipzig, erklärt mir so etwas immer über den Druck: Wo das Schwarz absäuft, druckt keine Zeichnung mehr — egal, wie sehr du danach an der Datei ziehst. Genau dieses Absaufen prüfe ich am Bildschirm, bevor ich mich für einen Look entscheide.

Sony Alpha 6000 neben Aquarellfarben auf dem Holztisch — Ausgangsmaterial für Outdoor-Familienfotos und ihre Schatten-Korrektur

Die Reihenfolge: erst der Look, dann die Tiefen

Zuerst lege ich den Look auf, dann rühre ich an den Schatten — nie umgekehrt. Ein Preset verschiebt die Grundtonalität des ganzen Bildes: Wärme, Kontrast, wie die Farben zueinander sitzen. Wenn ich vorher an den Tiefen ziehe und danach das Preset drüberlege, verschiebt sich alles noch einmal, und ich fange von vorn an. Also erst der Look als Grundierung, dann die feine Korrektur — das Anheben der Tiefen fühlt sich für mich an wie eine dünne Lasur über eine zu dunkle Stelle: man sieht noch, was darunter liegt, aber es knallt nicht mehr.

Ziehe ich die Tiefen zu weit hoch, passiert genau das Falsche: Die Gesichter werden flach und grau, die Plastizität ist weg, das Kind sieht aus wie aus Pappe. Dann gehe ich den Regler wieder ein Stück zurück, bis die Form zurückkommt. Selbst bei der besten Kamera stößt der Sensor bei diesem Kontrastumfang an seine Grenze — dazu habe ich in meinen Sony Alpha 6000 Einstellungen für natürliche Familienfotos im Freien schon einiges aufgeschrieben. Draußen im Mittagslicht bleibt am Ende die Nachbearbeitung, die sich für mich weniger wie Rechnen und mehr wie Lasieren anfühlt.

Das Preset ist die Grundierung, kein Radiergummi

Presets sind für mich keine Zauberei, sondern eine digitale Grundierung — eine Leinwand, auf der ich danach mit kleinen, eigenen Korrektionen den Ton treffe. Aus meinem Lifestyle-Presets-Paket trägt der wärmere, filmische Look die harte Kante am ehesten, weil er das reine Schwarz leicht anhebt und die Tonwerte wie ein Aquarell-Verlauf ineinanderschiebt. Trotzdem bleibt das Preset nur der erste Strich. Wie unterschiedliche Familien-Shootings mit diesem Paket laufen, habe ich in meinen Ehrliche Erfahrungen mit dem Lifestyle Presets Paket für Familienfotos festgehalten.

Welcher Look zu welcher Familie passt, ist ein eigenes Thema — hier zählt nur, dass der Look die Grundtonalität setzt und die Schatten-Korrektur ein bewusster zweiter Schritt bleibt. Ich arbeite dabei intuitiv, nicht nach Curriculum: schiebe, bis es sich richtig anfühlt, und ziehe zurück, sobald es kippt.

Schatten-Korrektur in Lightroom am MacBook: die Tiefen eines Outdoor-Familienfotos werden behutsam angehoben

So prüfe ich, ob der Schatten am Ende sitzt

Bei Hennings Tochter, spätes Nachmittagslicht über der Peißnitz, saß der Hautton nach dem Look sofort — kein Nachziehen nötig. Henning war wie immer ein bisschen zu spät dran, dafür mit selbstgemachten Waffeln in der Tasche, und seine Kleine rannte los, kaum dass die Kamera an war. Solche Bilder verlangen keine große Korrektur; das Licht hatte die Arbeit schon gemacht.

Zum Schluss halte ich das bearbeitete Bild gegen die Rohfassung und prüfe drei Dinge. Behält die Nase ihre Form, oder ist das Gesicht flach geworden? Ist unter dem Auge ein weicher Verlauf statt eines schwarzen Grabens? Und fühlt sich das Bild noch nach dem Nachmittag an, an dem es entstanden ist? Wenn ja, sitzt der Schatten. Wenn das Gesicht wie ausgestanzt wirkt, bin ich zu weit gegangen und nehme die Tiefen wieder zurück. Die harte Kante gehört zur Geschichte des Tages — sie muss nur weich genug werden, dass man das Kind sieht und nicht den Schatten.