Harte Schatten bei Familienfotos im Freien mit Lightroom Presets korrigieren

Harte Schatten bei Familienfotos im Freien mit Lightroom Presets korrigieren

Gleißendes Licht an den Klausbergen. Ein Nachmittag im Mai, die Sonne steht noch viel zu hoch und brennt fast weiß über der Saale. Vor mir rennt eine kleine Familie durch das hohe Gras, und ich versuche, mit meiner alten Sony Alpha 6000 hinterherzukommen. Aber auf dem Display sehe ich es schon: tiefe, schwarze Gräben unter den Augen, harte Kanten an den Nasenflügeln. Fast wie mit einem Edding gezeichnet, den man zu fest aufgedrückt hat.

Der Schmerz der harten Kante

Als Illustratorin bin ich auf weiche Verläufe trainiert. Wenn ich mit Aquarell arbeite, lasse ich die Farben ineinanderfließen, schichte Pigmente, bis das Licht sanft weicht. Diese harten Kontraste, die die Kamera bei direktem Sonnenlicht produziert, wirken für mich fast körperlich falsch. Unfertig. Die 24,3 Megapixel meiner Kamera fangen jedes Detail ein, aber eben auch jeden harten Schatten, der das Gesicht unruhig macht. Es ist, als würde man eine feine Bleistiftskizze mit einem dicken Kohlestift übermalen.

Letzte Woche saß ich im Atelier im Paulusviertel, die Fenster weit offen, und habe die Rohdaten gesichtet. Auf dem MacBook sahen die Bilder noch extremer aus als auf dem kleinen Kamera-Screen. Ich liebe die Spontaneität dieses Shootings, aber diese „Waschbären-Augen“ durch den steilen Sonnenstand machten den ganzen sanften Vibe kaputt, den ich eigentlich einfangen wollte. Ich fragte mich kurz, ob mein Diplom-Professor an der Burg entsetzt wäre, wenn er sähe, dass ich heute digitale Regler schiebe, statt echte Pigmente auf Büttenpapier zu mischen. Aber am Ende geht es um dasselbe: um die Tonalität und das Gefühl eines Bildes.

Nahaufnahme einer Sony Alpha 6000 Kamera neben Aquarellfarben auf einem Holztisch im Atelier.

Das Experiment mit dem Preset-Paket

Ich arbeite intuitiv. Den Lightroom-Kurs habe ich nach Modul 4 abgebrochen, weil mir das zu sehr nach Matheaufgabe und zu wenig nach Malerei klang. Stattdessen habe ich mein Lifestyle-Presets-Paket geöffnet und angefangen zu probieren. Zuerst der „Natural“-Look. Ein Klick, und die Farben ordneten sich – aber die Schatten blieben störrisch. Sie waren jetzt vielleicht etwas kühler, aber immer noch so hart wie eine schlecht gesetzte Lichtkante in einer Tuschezeichnung.

Dann der Test mit „Moody“. Ein interessanter Look, sehr atmosphärisch, aber für diese fröhliche Szene an der Saale-Aue war er zu schwer. Er schmierte die Schatten fast zu, wie wenn man zu viel Indigo in eine nasse Farbfläche gibt. Die Zeichnung in den dunklen Bereichen ging verloren. Ich erinnerte mich an meine Sony Alpha 6000 Einstellungen für natürliche Familienfotos im Freien, wo ich schon versucht hatte, die Dynamik voll auszureizen, aber der APS-C Sensor stößt bei diesem Kontrastumfang einfach an seine Grenzen. Da hilft nur noch die digitale Nachbearbeitung, die sich für mich eher wie Lasieren anfühlt.

Cinematic und der Mut zur Lücke

Die Rettung war schließlich der „Cinematic“-Look. Er brachte eine gewisse Grundwärme mit, die die harten Schattenkanten etwas aufbrach. Aber der entscheidende Punkt war nicht das Preset allein, sondern was ich danach gemacht habe. In der Lightroom-Skala, die ja von -100 bis +100 reicht, habe ich die Tiefen vorsichtig angehoben. Nicht zu weit – vielleicht auf +40 oder +50. In meinem Lichtbildlabor-Tagebuch habe ich mir notiert: „Schatten nicht töten“. Das ist mein wichtigstes Learning aus diesem Monat.

Es gibt diesen Drang, die Schatten komplett wegzubügeln, bis das Gesicht flach wirkt wie ein Sticker. Aber Schatten geben dem Gesicht Tiefe und Form. Wenn ich eine Illustration schattiere, lasse ich auch dunkle Stellen stehen, damit die Nase eine Form bekommt. In Lightroom ist das genauso. Der „Cinematic“-Look in Kombination mit einer sanften Tiefen-Korrektur erhält die Plastizität, nimmt aber die Aggressivität aus dem Schwarz. Es ist eher ein Aufhellen der Schattenpartien, als würde man eine dünne Schicht weißes Gouache über eine dunkle Stelle legen – man sieht noch, was darunter ist, aber es knallt nicht mehr so hart.

Detailansicht der Lightroom-Bearbeitung am MacBook: Schattenregler wird intuitiv angepasst.

Ein Nachmittag im Hinterhof

Während ich diese Zeilen schreibe, surrt der Lüfter meines MacBooks leise im stillen Hinterhof-Atelier. Draußen vor dem Fenster zieht der Duft von frischem Minztee aus dem Cafe nebenan hoch. Ich schaue mir das fertige Bild von der kleinen Tochter an, wie sie lachend durch die Saale-Wiesen rennt. Die Schatten unter ihren Augen sind noch da, aber sie sind jetzt weich, fast wie mit einem Pinsel verblendet. Die 179 Autofokus-Punkte meiner Kamera haben zwar scharf gestellt, aber erst das richtige Preset hat dem Bild die Seele gegeben, die ich als Illustratorin suche.

Wer ähnliche Ehrliche Erfahrungen mit dem Lifestyle Presets Paket für Familienfotos gemacht hat, weiß wahrscheinlich, was ich meine: Es geht nicht darum, ein perfektes, klinisch reines Foto zu erschaffen. Es geht darum, eine Stimmung zu transportieren. Die harten Schatten des Mainachmittags gehören zur Geschichte dazu, sie müssen nur rhythmisch ins Bild passen. Presets sind für mich keine Zauberei, sondern eine digitale Grundierung. Sie geben mir eine Leinwand, auf der ich dann mit meinen eigenen kleinen Korrekturen den Look finde, der sich nach „Burg“ und nach „Halle“ anfühlt. Intuitiv, beobachtend und immer ein bisschen wie gemalt.