
Draußen peitscht der Regen gegen die hohen Fenster meines Ateliers im Paulusviertel. Ein grauer Nachmittag im späten Herbst 2025. Auf meinem MacBook leuchtet ein RAW-File, daneben liegt eine frische Aquarellskizze. Der Kontrast tut weh. Das Foto ist flach, technisch okay, aber so leblos wie eine ungrundierte Leinwand. In der Zeichnung schwingt das Licht, die Linien atmen. In der Datei? Nichts als digitale Kälte. Ich frage mich oft, ob meine Fotos jemals so 'ehrlich' sein werden wie eine Tuschezeichnung, bei der jeder Fehler Teil des Charakters ist. Aber dann spüre ich das kühle, metallische Rädchen der Sony unter meinem Daumen, während der Geruch von feuchtem Gras und Saale-Wasser noch in meiner Kleidung hängt. Es muss gehen.
Die Rückkehr der alten Akademie-Kamera
Ich habe meine Sony Alpha 6000 wieder ausgegraben. Sie lag Jahre im Schrank, ein Überbleibsel aus meiner Zeit an der Burg Giebichenstein. Kein Vollformat-Monster, kein Statussymbol. Einfach ein Werkzeug. Mit ihren 24,3 Megapixeln bietet sie genug Spielraum, um den Bildschnitt später in Lightroom noch mal zu korrigieren – fast so, als würde ich den Rahmen einer Illustration neu festlegen. Was mich anfangs irritiert hat, war dieser 1,5 Crop-Faktor des Sensors. Mein 35mm-Objektiv fühlt sich plötzlich an wie ein 50mm-Glas. Man rückt den Menschen näher auf die Pelle. Das ist erst mal ungewohnt, wenn man sonst mit Abstand auf das Papier starrt.
Ich nutze die Kamera heute wie einen analogen Skizzenblock. Schnell. Intuitiv. Ohne viel nachzudenken. Im letzten Winter, an einem nebligen Novembermorgen an den Saale-Wiesen, habe ich gemerkt: Wenn ich zu viel an den Knöpfen drehe, verliere ich den Moment. Die Kinder warten nicht, bis ich das Menü verstanden habe. Sie rennen weg, sie lachen, sie sind echt. Ich habe gelernt, dass technische Perfektion – dieses Histogramm genau in der Mitte – meinen illustrativen Look eher behindert. Ich will keine Laborwerte. Ich will Tonalität.

Warum ich bei Modul 4 ausgestiegen bin

Im Mai 2024 dachte ich noch, ich müsste das Fotografieren so lernen wie ein Handwerk im ersten Semester. Ich habe mir diesen Lightroom-Komplettkurs gekauft. Linearer Aufbau. Erst Belichtung, dann Kontrast, dann Farbräume. Der Moment, als ich nach Modul 4 des Lightroom-Kurses merkte, dass ich mehr über Farbräume weiß als über das Gefühl, das ein Bild vermitteln soll, war mein Wendepunkt. Ich habe abgebrochen. Es hat sich angefühlt wie Malen nach Zahlen. Steril.
In meinem Lichtbildlabor-Tagebuch steht seitdem: Vertrau deinem Auge, nicht dem Curriculum. Wenn ich eine Bildbearbeitung wie gemalt erreichen will, darf ich nicht wie eine Technikerin denken. Ich suche nach der Lichtkante, nach dem weichen Verlauf in den Schatten. Die Sony Alpha 6000 hat 179 Phasen-AF-Punkte. Das klingt nach viel Technik, aber für mich bedeutet es nur: Ich kann mich darauf verlassen, dass der Fokus sitzt, auch wenn ein Kind in Glaucha über den Spielplatz fegt, während ich versuche, eine Komposition wie in einem Bilderbuch einzufangen.
Vergiss das goldene Licht: Der Schatten-Trick
Überall liest man von der 'Goldenen Stunde'. Alle wollen dieses weiche, orangefarbene Licht. Aber ganz ehrlich? Für den Look, den ich suche – diesen 'Moody' oder 'Natural' Stil aus meinem Illustrations-Alltag – ist das oft zu viel Kitsch. Mein Geheimtipp für die A6000: Such dir den direkten Mittagsschatten. Besonders während der ersten warmen Maitage an der Saale-Aue habe ich das ausprobiert. Unter den großen Bäumen, wo das Licht nur noch gefiltert ankommt.
Warum? Weil die Sony im harten Licht oft dazu neigt, die Lichter ausfressen zu lassen. Im Schatten hingegen bleiben die Details in der Haut weich. Es ist wie das Arbeiten auf getöntem Papier. Man startet nicht bei Weiß, sondern bei einem sanften Mittelton. Das ist die perfekte Basis für das Lifestyle-Presets-Paket. Ich habe neulich Fotos von einer kleinen Familie gemacht, die ich im Atelier-Café kennengelernt habe. Wir waren mittags draußen. Alle anderen Fotografen hätten die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Aber im tiefen Schatten der alten Mauern im Paulusviertel wurden die Bilder magisch. Keine harten Schatten unter den Augen, nur diffuses, ehrliches Licht.
Meine konkreten Einstellungen für den Workflow
Ich halte es einfach. Modus A (Zeitautomatik), Blende so weit auf wie möglich (meist f/1.8 oder f/2.8), damit der Hintergrund in diese wunderbare Unschärfe verschwindet, die ich in meinen Zeichnungen mit Wasser und Schwamm erzeuge. Den ISO lasse ich meistens auf Automatik, aber ich begrenze ihn nach oben hin, damit es nicht zu sehr rauscht – obwohl ein bisschen Korn manchmal wie eine schöne Papierstruktur wirkt.
Entscheidend ist für mich die Belichtungskorrektur. Ich stelle sie oft auf -0.3 oder -0.7. Die Sony rettet Schatten besser als Lichter. Wenn der Himmel einmal weiß ist, ist er weg. Wie ein Loch im Papier. Wenn ich unterbelichte, behalte ich die Informationen für den 'Cinematic' Look. Das habe ich schmerzlich gelernt, als ich im September ein Shooting an der Peißnitzinsel völlig überbelichtet habe. Lightroom konnte da auch nichts mehr retten. Es war frustrierend, aber lehrreich. Seitdem bin ich vorsichtiger.
Ich nutze fast ausschließlich den AF-C (Continuous Autofocus). Mit den 179 Phasen-AF-Punkten klebt die Kamera förmlich an den Gesichtern. Das gibt mir die Freiheit, mich auf den Bildausschnitt zu konzentrieren. Ich bewege mich mit den Familien mit, krieche im Gras herum, achte auf die Linienführung im Hintergrund. Es ist ein Tanz. Wenn ich später die Bilder importiere, sehe ich sofort, welche funktionieren. Oft sind es die, die ich intuitiv geschossen habe, ohne auf die Skala im Sucher zu starren.
Reflexion im Lichtbildlabor
Nach fast neun Monaten mit dem Tagebuch merke ich, wie sich mein Stil festigt. Ich bin keine Hochzeitsfotografin und ich werde nie ein Studio mit Blitzanlage besitzen. Das bin ich einfach nicht. Ich bin die Frau mit der alten Sony, die im Paulusviertel wohnt und versucht, Momente so festzuhalten, wie sie sie zeichnen würde. Meine ehrlichen Erfahrungen mit dem Lifestyle Presets Paket zeigen mir immer wieder: Die Technik ist nur die Grundierung. Der Pinselstrich passiert in Lightroom.
Manchmal sitze ich bis spät in die Nacht am MacBook, trinke kalten Tee und schiebe Regler. Ich vergleiche das mit dem Schichten von Lasuren. Erst die Grundfarbe (Natural Preset), dann die Tiefe in den Schatten (Moody-Anpassung), zum Schluss die Lichtkanten betonen. Es ist ein Prozess. Nicht immer perfekt. Manchmal lösche ich alles und fange von vorne an. Aber das gehört dazu. Wie bei einer Tuschezeichnung, bei der das Wasser mal nicht so verläuft, wie man will. Man lernt, mit dem Zufall zu arbeiten. Und genau das macht die Familienfotos an der Saale am Ende so lebendig.
Wenn du auch so eine alte Kamera im Schrank hast: Hol sie raus. Vergiss die dicken Handbücher. Geh raus ans Flussufer, such dir ein schattiges Plätzchen und fang an zu 'skizzieren'. Es muss nicht perfekt sein. Es muss sich nur richtig anfühlen. Vielleicht helfen dir meine 5 Tipps für den Illustrator Style dabei, deinen eigenen Weg zu finden, ohne dich im Technik-Dschungel zu verlieren. Am Ende zählen nicht die Megapixel, sondern die Geschichte, die das Licht erzählt.