Schöne Hauttöne in Lightroom bearbeiten mit dem Blick einer Illustratorin

Familienfoto vom Nachmittagslicht am Reilsberg mit warmen, in Lightroom bearbeiteten Hauttönen

Die Haut eines Kindes wirkt am Bildschirm manchmal wie grauer Ton, obwohl sie eine Stunde vorher draußen noch warm geleuchtet hat. Genau vor dieser Frage sitze ich, während ich ein Familienfoto vom Nachmittagshang der Weinberge am Reilsberg in Lightroom öffne. Hauttöne bearbeiten mit dem Blick einer Illustratorin heißt für mich nicht, Regler abzuarbeiten, sondern Farbe zu mischen – nur eben digital, mit Presets als Grundton statt mit dem Pinsel. Das Foto ist technisch sauber. Und trotzdem stimmt etwas nicht, so wie eine Zeichnung nicht stimmt, wenn die erste Lasur den falschen Unterton hat.

Der erste Blick gilt bei mir immer der Stirn und den Wangen, nicht dem ganzen Bild. Kippt die Stirn ins Grünliche oder Bläuliche, ist es der Weißabgleich – dann drehe ich an der Temperatur, nicht an der Sättigung. Wirkt die Haut nur stumpf und flach, obwohl die Farbe im Kern stimmt, gehe ich an die Luminanz im Orange-Kanal. Diese eine Unterscheidung – Farbstich oder Helligkeit – spart mir jedes Mal ein Dutzend falsche Klicks. Für einen lebendigen Hautton denke ich in denselben Bahnen wie bei einem Aquarell: erst der Unterton, dann die Tiefe, dann das Licht.

Was macht Hauttöne am Bildschirm so stumpf?

Am Anfang habe ich jedes Bild einzeln von Hand hochgezogen, Foto für Foto, ohne eine Preset-Grundlage darunter. Ergebnis: Jedes Gesicht bekam einen leicht anderen Ton, und ein Satz von dreißig Familienbildern sah aus wie dreißig verschiedene Nachmittage. Das war der Punkt, an dem es nicht funktioniert hat. Eine Grundstimmung – ein Preset als Unterlage – wirkt wie der erste Wasserauftrag im Aquarell: Er legt fest, in welche Richtung alles Weitere kippt. Ohne diese Grundlage korrigiert man ewig gegen sich selbst an.

Seit der sechsten Woche mit dieser Reihenfolge – erst das Preset, dann die Hauttöne – geht mir das ruhiger von der Hand. Gestern zum Beispiel hatte ich die Klarheit an einem Kinderporträt schon zu weit aufgedreht und sofort wieder zurückgedreht, weil die Wange plötzlich wie gepresstes Papier wirkte statt wie Haut. Der Klarheit-Schieber ist wie ein zu harter Tusche-Druck: einen Hauch zu viel, und die weiche Linie kippt ins Grelle.

Lightroom HSL-Panel für Hauttöne neben einem Aquarell-Farbkasten auf dem Bildschirm

Das HSL-Panel als digitaler Mischteller

Das HSL-Panel ist mein Mischteller. Farbton, Sättigung, Luminanz – drei Wege, eine einzelne Farbe anzufassen, ohne den Rest des Bildes mitzuziehen. Sobald morgens die Heizung anspringt, zieht der Geruch eingetrockneter Aquarellfarbe aus den Keramikbechern herüber, und die Regler fühlen sich für einen Moment weniger technisch an. Für Haut ist die Luminanz im Orange-Kanal der wichtigste Hebel: ein wenig hochgezogen, und ein feiner Schimmer legt sich auf die Wangen, fast wie eine Lasur über der Untermalung. Die allgemeine Belichtung anzuheben wäre der grobe Fehler – das drückt das ganze Bild flach, so wie zu viel Wasser eine Aquarellfläche auswäscht.

Wenn ich für ein Porträt nah rangehe, treten Poren und kleine Unebenheiten stärker hervor, als ich sie in einer Zeichnung je stehen lassen würde. Dann schiebe ich den Struktur-Regler behutsam nach links – nicht bis zum Plastikgesicht, nur so weit, dass die Haut wieder atmet. Wie hartes Nachmittagslicht am Hang die Konturen setzt, ist ein Thema für sich; hier zählt für mich nur der Ton der Haut selbst. Wer Bilder bearbeiten wie gemalt möchte, entscheidet genau an dieser Stelle, wie viel Struktur bleibt und wie viel weich wird.

Ausgedrucktes Familienporträt mit warmen, in Lightroom bearbeiteten Hauttönen

Schatten auf der Haut sind nie nur grau

Schatten haben eine Farbe, immer. In der Natur ist der Schatten auf einer Wange nie neutralgrau, sondern trägt einen kühlen Unterton. Beim Mischen greifen wir dafür zu Komplementärfarben, und in Lightroom mache ich genau das über die Farbabstimmung: ein zartes Blau oder ein kühles Violett in die Tiefen, damit die warmen Hauttöne im Kontrast dazu von selbst leuchten. Das erzeugt eine Räumlichkeit, die kein Belichtungsregler hinbekommt – so, wie ein kalter Schatten neben einem warmen Licht ein flaches Aquarell erst plastisch macht.

Die kleine Tochter der Familie ist bei dem Shooting am Reilsberg ständig aus dem Bild gerannt, kaum dass ich scharfgestellt hatte – am Ende war das schärfste Foto eines, in dem sie halb weggedreht ins hohe Gras griff. Genau dieses habe ich bearbeitet. Als die Mutter es sah, sagte sie nur: „So sieht sie wirklich aus." Kein Kommentar zur Technik, sondern zum Ton. Das ist die Rückmeldung, auf die es mir ankommt.

Hauttöne vom Preset aus feinjustieren

Ein Preset ist für mich nie das fertige Bild, sondern der Grundton, von dem aus ich die Gesichter feinjustiere. Bei einem Shooting im Wohnzimmer einer jungen Familie lag neulich über allen Gesichtern ein grünlicher Farbstich vom Nachmittagslicht durch die Gardinen – und in diesem Moment hing das ganze Bild an einem einzigen Schieber, dem Weißabgleich. Das Preset legte die Wärme grob an, den Rest hat die Temperatur entschieden. In meinem Erfahrungsbericht zum Lifestyle Presets Paket habe ich solche Momente Foto für Foto notiert – da ist ein Preset der Anfang der Bearbeitung, nicht das Ende.

Wenn ein Gesicht am Bildschirm grau wirkt, liegt es fast nie an der Kamera – auch nicht an meiner alten Alpha 6000 – und fast immer an der Reihenfolge: erst den Farbstich über den Weißabgleich klären, dann die Haut über die Luminanz heben, zuletzt Farbe in die Schatten legen. Diese drei Schritte nehme ich in jeden Auftrag mit, ob am Hang der Weinberge oder im Wohnzimmer. Morgen mische ich am selben Porträt mal etwas mehr Kühle in die Tiefen. Einfach schauen, was passiert.