
Grau. Draußen vor dem Atelierfenster im Paulusviertel schiebt sich der Novemberhimmel über die Dächer. Drinnen auf meinem MacBook: Ein RAW-File aus einer Neugeborenen-Homestory in Glaucha. Das Zimmer war wunderschön, aber die Schatten wirken wie schmutzige Tusche. Ein technisches Versagen, denke ich. Mein 'natürliches Licht', das ich der Mutter versprochen hatte, ist im tiefen Berliner Zimmer der Altbauwohnung einfach verhungert.
Kurzer Hinweis vorab: In diesem Text stecken meine persönlichen Erfahrungen und Empfehlungen. Wenn du über einen meiner Links eines der Preset-Pakete oder Kurse kaufst, erhalte ich eine Provision. Für dich ändert sich am Preis absolut nichts. Ich zeige dir hier nur, was ich in meinem eigenen Illustratorinnen-Alltag im Atelier wirklich benutze und was mir geholfen hat, meinen Stil zu finden.
Das Problem mit dem Licht in Halleschen Altbauten
Wer in Halle (Saale) wohnt, liebt die hohen Decken. Aber als Fotografin merke ich: Sie sind tückisch. Das Licht fällt steil ein und kommt oft nicht bis in die hinteren Ecken, wo das Kinderbett steht. Meine alte Sony Alpha 6000, die mich schon durch das Diplom an der Burg Giebichenstein begleitet hat, fängt dann an zu kämpfen. Der Sensor hat zwar stolze 24.3 Megapixel, aber in den dunklen Bereichen fängt es schnell an zu rauschen.
Ich sitze hier mit meinem Espresso aus dem Atelier-Café und starre auf den Bildschirm. In der Illustration arbeite ich mit Schichten. Aquarell über Bleistift. In Lightroom versuche ich das Gleiche. Aber einfach den Belichtungsregler nach rechts zu ziehen? Ein Fehler. Die Haut des Babys wird sofort flach, fast wie Plastik. Die zarte Textur verschwindet. Es sieht nicht mehr nach Leben aus, sondern nach einer schlechten Kopie.
Ich erinnere mich an meinen Versuch mit dem Adobe Lightroom Classic Komplettkurs. Ich habe nach Modul 4 abgebrochen. Diese lineare Logik — erst dies, dann das — hat mich wahnsinnig gemacht. In Modul 5 ging es um präzise Maskierungen, und ich verbrachte drei Stunden damit, dem Kurs zu folgen. Am Ende hatte ich dem Gesicht des Babys jede Natürlichkeit weg-editiert, nur weil ich die 'korrekten' Schritte befolgt habe. Mein Kopf sagte 'richtig', aber mein Illustratorinnen-Auge schrie 'falsch'.

Warum 'Moody' oft natürlicher wirkt als 'Hell'
Im September 2024 kam der Wendepunkt. Ich habe mir ein Paket mit 100 Lightroom-Presets geholt. Eigentlich für Reise- und Landschaftsfotografie gedacht. Klingt unlogisch für Familienfotos? Vielleicht. Aber die 13 verschiedenen Stilrichtungen darin haben etwas, das herkömmliche 'Baby-Presets' oft vermissen lassen: Charakter.
Besonders die 'Moody'- und 'Cinematic'-Looks haben es mir angetan. Wenn ich ein Foto in einem dunklen Raum habe, versuche ich nicht mehr krampfhaft, es so hell wie einen Sommertag an der Saale-Aue zu machen. Stattdessen nutze ich die Schatten. Ich habe gelernt, dass dunkle Räume eine eigene Tonalität brauchen. In Lightroom Classic (ich nutze Version 7.3 oder neuer, wegen des XMP-Formats) kann ich diese Presets wunderbar steuern. Ein Klick auf 'Moody 04' und plötzlich passiert etwas: Das digitale Rauschen in den Schatten verwandelt sich. Es wirkt jetzt wie eine gewollte Textur, fast wie eine feine Tusche-Lasur auf grobem Papier.
Meine Schultern entspannen sich in diesem Moment spürbar. Es ist dieser Klick, bei dem das Bild plötzlich 'einrastet'. Wer wie ich als Illustratorin Lightroom Presets statt Photoshop Ebenen nutzt, sucht genau dieses Gefühl. Man skizziert mit dem Preset und verfeinert dann nur noch die Lichtkante.
Die Gefahr bei Neugeborenen-Haut
Ein spezielles Problem bei Homestories: Die Haut von Neugeborenen reagiert extrem empfindlich auf Aufhellung. Wenn man die Tiefen zu stark anhebt, werden Rötungen oft unnatürlich betont. Oder die Sättigung schießt in den Gelbtönen durch die Decke. Ich bearbeite Schöne Hauttöne in Lightroom daher immer mit dem Blick für die Farbbalance.
Statt die Belichtung global hochzureißen, arbeite ich mit dem Natural-Look aus dem Preset-Paket. Er bewahrt die Details in den Lichtern — zum Beispiel dort, wo das Fensterlicht die Stirn des Babys berührt — und hellt die Schatten nur so weit auf, dass die Zeichnung erhalten bleibt, ohne den Kontrast zu verlieren. Es ist wie beim Aquarell: Man lässt das Weiß des Papiers an den richtigen Stellen stehen, um Licht zu erzeugen, statt alles mit Farbe zuzukleistern.
- Tipp 1: Nutze Presets, die für Kontraste gemacht sind, nicht für 'Flatness'.
- Tipp 2: Achte auf die Dynamik. In dunklen Räumen ist weniger oft mehr.
- Tipp 3: Die Körnung kann dein Freund sein. Sie kaschiert das ISO-Rauschen der A6000 und gibt dem Bild einen analogen Touch.

Vom iPad im Café zurück zum MacBook
Oft fange ich mit der Auswahl schon im Atelier-Café an. Das iPad Pro ist mein Skizzenblock. Dank der .dng-Dateien im Preset-Paket kann ich die Looks direkt in Lightroom Mobile nutzen. Ich scrolle durch die Aufnahmen vom Shooting am Steintor oder aus dem Paulusviertel und probiere aus. Welcher Look fängt die Stimmung ein? Meistens bleibe ich bei den Cinematic-Varianten hängen. Sie geben den Bildern eine Tiefe, die ich mit manuellem Schieben der Regler nie so intuitiv hinbekommen würde.
Wenn ich dann zurück an meinem Holztisch im Hinterhof-Atelier bin, synchronisiert sich alles. Die Finalisierung mache ich am MacBook. Das ist mein Workflow: Erst fühlen, dann technisch sauber abschließen. Ich habe auch kurz über den Photoshop-Kurs für Landschaften nachgedacht, falls ich mal mehr manuelle Kontrolle brauche. Aber momentan bleibe ich bei Lightroom. Es ist schneller. Und für mich als Freiberuflerin ist Zeit kostbar — zwischen Illustrations-Deadlines und neuen Foto-Anfragen.
Manchmal schaue ich mir viele Familienfotos gleichzeitig an und merke, wie konsistent mein Stil geworden ist. Es ist nicht mehr das verzweifelte Suchen nach Licht, sondern das Gestalten mit dem, was da ist. Sogar an regnerischen Nachmittagen im April, wenn das Licht in Halle fast blau-grau wirkt.
Fazit: Dein eigener Weg zum Licht
Wenn du vor deinen dunklen RAW-Dateien sitzt und denkst, sie seien verloren: Probier einen anderen Weg. Vergiss die starren Regeln aus den Handbüchern. Ein dunkles Foto muss nicht hell werden, um gut zu sein. Es muss nur Tiefe bekommen. Mir haben die Lifestyle-Presets dabei geholfen, meine Bildideen so umzusetzen, wie ich sie als Illustratorin schon im Kopf hatte, bevor ich den Auslöser drückte.
Vielleicht ist dein Stil auch eher 'Moody' als 'High-Key'. Trau dich, die Schatten zu feiern. Das macht eine Homestory erst ehrlich. Wenn du noch ganz am Anfang stehst, kann ein Blick in die ersten Module eines Kurses helfen, aber lass dich nicht von der Systematik einengen. Dein Auge sieht mehr als ein Histogramm jemals berechnen könnte. Wir sehen uns in der Saale-Aue — hoffentlich bei gutem Licht, aber wenn nicht, wissen wir ja jetzt, was zu tun ist.