
Draußen flirrt die Hitze über dem Asphalt im Paulusviertel. Ich sitze am Zeichentisch in meinem Atelier, einer umgebauten Hinterhof-Wohnung, und starre auf den Bildschirm meines MacBooks. Vor mir liegt ein Aquarell, das ich gestern fertiggestellt habe – weiche Übergänge in Moosgrün und Ocker, die Saale-Aue bei Sonnenuntergang. Daneben das digitale Pendant: ein RAW-Foto vom letzten Familienshooting. Es ist flach. Graustichig. Seelenlos.
Bevor ich dir von meinem Weg durch den digitalen Dschungel erzähle: Auf dieser Seite findest du Affiliate-Links. Wenn du über einen dieser Links einen Kurs oder ein Preset-Paket kaufst, erhalte ich eine kleine Provision – für dich ändert sich am Preis rein gar nichts. Ich empfehle hier nur Dinge, die ich selbst für meine Arbeit als Illustratorin und Fotografin im Paulusviertel nutze oder die ich für meinen Workflow getestet habe.
Vom Pinsel zum Pixel: Der Schock nach dem ersten Shooting
Es fing alles im März 2024 an. Eine befreundete Mutter aus dem Atelier-Café fragte mich, ob ich zum ersten Geburtstag ihrer Tochter Fotos machen könnte. Keine Studio-Sache, einfach natürliches Licht im Garten an der Saale. Ich sagte ja und grub meine alte Sony Alpha 6000 aus, die ich seit meinem Diplom an der Burg Giebichenstein kaum angefasst hatte. Die Kamera hat 24,3 Megapixel – technisch gesehen also völlig ausreichend. Aber als ich die Bilder in Lightroom Mobile öffnete, kam die Ernüchterung. Sie sahen aus wie technische Daten, nicht wie Kunst.
Ich bin Illustratorin. Ich bin es gewohnt, Farben zu mischen, Tusche fließen zu lassen und Lichtkanten mit dem iPad-Stift zu setzen. In Lightroom fühlte ich mich plötzlich wie eine Buchhalterin. Regler für Regler, Schieber für Schieber. Wo war die Seele? Ich wusste, ich brauchte Hilfe. Also kaufte ich mir den Adobe Lightroom Classic Komplettkurs, in der Hoffnung, dass mir jemand erklärt, wie ich meine Illustrations-Ästhetik in die Fotografie rette.

Der Lightroom Grundkurs im Test: Warum ich nach Modul 4 abbrach
Der Kurs ist massiv. Über 40 Lektionen. Alles ist logisch aufgebaut, von der Installation bis zum Export. Aber hier liegt das Problem für jemanden wie mich. Ich arbeite intuitiv. Ich will fühlen, wie das Licht den Schatten bricht, nicht erst drei Stunden lang lernen, wie man Kataloge auf einer externen Festplatte strukturiert. Nach Modul 4 war bei mir Schluss. Nicht, weil der Kurs schlecht war – im Gegenteil. Er ist verdammt gründlich. Aber mein Kopf funktioniert nicht linear.
Ich wollte wissen, wie ich die Farben in Lightroom anpassen kann, damit sie diese malerische Harmonie bekommen. Stattdessen lernte ich alles über Metadaten und Stichwort-Hierarchien. Für Ordnungsliebhaber ist dieser Kurs ein Goldrausch. Für mich war er eine Wand aus grauen Kästen. Trotzdem: Die ersten Module zur Tonwertkorrektur waren Gold wert. Es war, als würde mir jemand erklären, wie man ein Aquarell-Papier richtig grundiert. Ohne dieses Basiswissen hätte ich später die Presets nie verstanden.
Man merkt schnell: Die Lernkurve bei manuellen Lightroom-Workflows ist steiler als bei automatisierten Presets. Aber dieses mühsame Verständnis der Regler führt langfristig dazu, dass ich heute viel schneller entscheiden kann, welcher Look zu einem Foto passt. Ich nutze heute oft die selektive Korrektur in Lightroom, fast so, als würde ich mit einem feinen Pinsel Licht auf die Wangen der Kinder setzen. Das hätte ich ohne die technischen Grundlagen aus dem Kurs nie verstanden.
Das Lichtbildlabor-Tagebuch: Presets als Rettung
Nach meinem Abbruch des Kurses war ich frustriert. Ich saß im Juli 2026 wieder an einem Auftrag – eine kleine Familie auf der Peißnitzinsel. Das Licht war schwierig, hartes Nachmittagslicht unter alten Eichen. Die Schatten waren tief, fast schwarz. Ich erinnerte mich an den Kurs: Schatten anheben, Schwarzpunkt setzen. Aber es fehlte der Vibe. Im September 2024 hatte ich mir dann ein deutsches Preset-Paket geholt, eigentlich für Reisefotografie gedacht. Und plötzlich machte es Klick.
Die Looks „Cinematic“, „Moody“ und „Natural“ aus dem 100 Lightroom-Presets Paket trafen genau den Nerv meiner Illustrationen. Ich nutze sie wie eine digitale Grundierung. Ein Klick, und das Foto hat eine Richtung. Dann kommen meine Illustratorinnen-Instinkte ins Spiel. Ich drehe an der Sättigung, als würde ich Wasser in meinen Farbnapf geben. Ich nutze die Vignettierung in Lightroom, um den Fokus so zu lenken, wie ich es in einem Kinderbuch-Cover tun würde.
Ein konkretes Beispiel: Letzte Woche in Glaucha. Ein kleiner Junge rannte durch die hohen Gräser. Das Bild war technisch okay, aber langweilig. Ich legte das „Moody“-Preset drüber. Plötzlich bekamen die Grüntöne eine Tiefe, die fast nach Moos und Wald duftete. Die Lichtkante an seinem Ohr leuchtete auf einmal. Das ist der Moment, in dem Fotografie für mich zur Malerei wird.

Intuition vs. Curriculum: Mein Fazit für kreative Quereinsteiger
Lohnt sich der Adobe-Einstieg über einen strukturierten Kurs? Ja und nein. Wenn du wie ich von der „Burg“ kommst oder einfach ein visueller Mensch bist, wird dich die Linearität eines 40-Lektionen-Kurses vielleicht ersticken. Aber: Du brauchst das Alphabet, um Gedichte zu schreiben. Der Lightroom Grundkurs liefert dir dieses Alphabet. Auch wenn ich nach Modul 4 ausgestiegen bin, greife ich heute noch auf das Wissen über den Weißabgleich und die Belichtungskurven zurück.
Mein Workflow heute ist ein Hybrid. Ich starte mit einem Preset aus dem Lifestyle-Paket, meistens am iPad im Café am Steintor, und verfeinere die Details später am MacBook im Atelier. Es ist ein ständiges Experimentieren. Manchmal verwerfe ich einen Look komplett, weil er die Hauttöne zu sehr ins Orange zieht – ein Problem, das ich oft bei Sonnenuntergangs-Shoots an der Saale habe. Dann hilft mir das Wissen aus dem Kurs, den Weißabgleich manuell zu korrigieren.
Falls du merkst, dass Lightroom dir gar nicht liegt und du ohnehin schon mit Photoshop für deine Illustrationen arbeitest, könnte der Kurs zur Bildbearbeitung in Photoshop eine Alternative sein. Für mich war Lightroom jedoch der richtige Weg, weil es diesen schnellen, fließenden Workflow ermöglicht, den ich für meine Familienporträts brauche. Es fühlt sich weniger nach „Arbeit“ und mehr nach „Gestalten“ an.
Am Ende ist Lightroom für mich wie ein neuer Kasten Aquarellfarben. Man muss erst lernen, wie viel Wasser die Pigmente vertragen, bevor man das erste Meisterwerk malt. Der Grundkurs zeigt dir, wie man den Kasten öffnet und die Pinsel hält. Den Rest muss dein Auge erledigen. Wenn du bereit bist, dich durch die ersten technischen Lektionen zu beißen, ist der Grundkurs ein solides Fundament – auch wenn du, wie ich, irgendwann dein eigenes Ding daraus machst.
Adobe Lightroom Classic Komplettkurs [Mein Crashkurs]
Vorteile
- ✔ Über 40 Lektionen decken wirklich jedes Detail ab – von Import bis Export
- ✔ Häppchen-Format (2-7 Min) ideal für zwischendurch im Atelier-Alltag
- ✔ 30 Beispielfotos zum Mitüben helfen enorm beim Verständnis der Regler
- ✔ Technisch fundiert, perfekt um das Handwerk hinter der Intuition zu lernen
Nachteile
- − Sehr linearer Aufbau kann für intuitive Kreative anstrengend sein
- − Keine Community für direkten Austausch mit anderen Kursteilnehmern