Natürliche Gartenfotos in der Abendsonne bearbeiten mit Lightroom Presets

Natürliche Gartenfotos in der Abendsonne bearbeiten mit Lightroom Presets

Ganz tief stehendes Licht an der Saale-Aue. Ein goldener Abend im letzten August. Ich hocke im hohen Gras, die Sony Alpha 6000 vor dem Gesicht, und versuche, das Lachen von kleiner L. einzufangen, während sie zwischen den Sonnenblumen durchflitzt. Aber auf dem Display sieht alles nur... flach aus. Die 24,3 Megapixel meiner alten Kamera fressen die Magie, die ich gerade noch gefühlt habe. Zu Hause im Atelier im Paulusviertel dann die Ernüchterung am MacBook: Die RAW-Dateien sind blass, fast staubig. Wo ist die Tiefe, die ich in meinen Aquarell-Skizzen mit ein paar Pinselstrichen erzwingen kann?

Das Problem mit dem linearen Workflow

Ich bin Illustratorin. Ich habe an der Burg Giebichenstein gelernt, Bildideen erst zu fühlen und dann mit Tusche oder dem iPad-Stift zu skizzieren. Als ich im Mai 2024 diesen Lightroom-Komplettkurs kaufte, dachte ich, ich lerne das Handwerk wie eine Vokabel. Nach Modul 4 war Schluss. Es war mir zu starr, zu wenig intuitiv. Mein Kopf funktioniert nicht in Kapiteln wie 'Import-Dialog' oder 'Metadaten-Verwaltung'. Ich will sehen, wie sich die Tonalität verändert, wenn ich eine Farbe verschiebe. Ich will, dass sich das Bearbeiten anfühlt wie das Schichten von Lasuren.

In meinem Atelier, dieser umgebauten Hinterhof-Wohnung, in der es immer ein bisschen nach frischer Aquarellfarbe und altem Parkett riecht, saß ich an einem verregneten Nachmittag. Das leise Surren des MacBook-Lüfters im Atelier, während der Geruch von frischer Aquarellfarbe noch in der Luft der Hinterhof-Wohnung hängt – das ist mein Moment der Wahrheit. Ich habe angefangen, meine eigenen Sony Alpha 6000 Einstellungen für natürliche Familienfotos im Freien zu hinterfragen. Das Bild braucht eine Basis, eine Grundierung, genau wie eine Leinwand.

Nahaufnahme einer Sony Alpha 6000 Kamera neben Aquarellskizzen auf einem Holztisch im Abendlicht.

Die Falle mit dem 'Warm-Look' im Abendlicht

Hier kommt der Punkt, an dem ich am Anfang fast jedes Foto ruiniert habe. Man denkt: Abendsonne ist warm, also brauche ich ein warmes Preset. Ein fataler Fehler. Wenn ich einen Sonnenuntergang an der Saale fotografiere, ist das Licht bereits extrem gelb-orange. Wenn ich dann ein klassisches 'Warm-Look'-Preset drüberlege, passiert etwas Schreckliches: Die natürlichen kühlen Schattenkontraste werden zerstört. Das Bild wirkt künstlich flach, fast wie mit Karottensaft übergossen. Die Plastizität geht verloren.

Als Illustratorin weiß ich: Ein Gesicht bekommt erst Form durch den Kontrast zwischen der warmen Lichtkante und dem kühlen Schatten unter dem Kinn oder in den Augenhöhlen. Verzichte bei Abendsonnen-Fotos auf den beliebten 'Warm-Look'-Preset. Er schluckt die Cyan- und Blautöne in den Schatten, die wir brauchen, um Tiefe zu erzeugen. Ich habe im September 2024 angefangen, mit dem 'Moody'-Look aus meinem Paket zu experimentieren. Plötzlich war sie da: die Tiefe einer Tuschezeichnung. Das Preset hat nicht einfach alles warm gemacht, sondern die Kontraste stabilisiert.

Der Vergleich im Kopf: Den Kontrastregler in Lightroom zu ziehen fühlt sich plötzlich genau so an, wie eine Indigo-Lasur über eine trockene Zeichnung zu legen. Es gibt dem Ganzen ein Fundament. Wenn die Schatten stehen, kann das Licht oben drauf erst richtig leuchten. Das ist der Moment, in dem die Bilder bearbeitet wie gemalt wirken, statt wie ein technisches Abbild der Realität.

Warum Presets für mich wie Grundierungen sind

Früher dachte ich, Presets seien Schummeln. Ein Klick und fertig? Das widersprach meinem Burg-Diplom-Stolz. Aber heute sehe ich das anders. Ein Preset ist wie die erste Farbschicht auf einem Papier. Es gibt die Richtung vor. Wenn ich für eine befreundete Mutter Fotos mache, will ich nicht Stunden mit dem Weißabgleich verschwenden. Ich brauche eine Stimmung, die zu meinem Illustrationsstil passt: weich, atmosphärisch, ein bisschen verträumt, aber mit klarer Linienführung.

Letzten Monat während der Obstblüte in einem Garten bei Glaucha habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, den eigenen Stil zu kennen. Ich habe das 'Natural'-Preset genommen und nur minimal an den Lichtern gedreht. Die APS-C-Sensor-Dynamik meiner Sony kommt da manchmal an ihre Grenzen, aber mit der richtigen Bearbeitung sieht man das kaum. Es geht um die Anmutung. Manchmal verwerfe ich ein Foto auch sofort, wenn die Lichtkante im Gesicht zu hart ist – da rettet auch das beste Preset nichts mehr. Aber wenn die Basis stimmt, ist Lightroom für mich wie ein digitaler Lichttisch.

Detailansicht einer Illustratorin, die Lightroom-Regler am MacBook für ein Garten-Porträt anpasst.

Ein Blick ins Lichtbildlabor-Tagebuch

Ich schreibe jetzt jede Woche auf, was passiert. Gestern zum Beispiel: Ein Shooting im Paulusviertel, direkt im Hinterhof. Das Viertel ist ca. 100 Hektar groß, überall diese wunderschönen Fassaden, aber das Licht ist tückisch. Es fällt oft nur ganz schmal zwischen den Häusern durch. Ich habe versucht, den 'Cinematic'-Look anzuwenden, aber die Schatten waren zu 'matschig'. Ich musste zurück auf 'Natural' gehen und die Belichtung manuell hochziehen. Das ist der Prozess. Man lernt sein Werkzeug kennen, indem man es falsch benutzt.

Was mir als Illustratorin immer noch fremd ist? Dass Lightroom alles so mathematisch benennt. 'Klarheit' ist für mich wie ein harter Tusche-Druck, 'Tonwertkorrektur' wie ein sanfter Aquarell-Verlauf. Ich übersetze mir das im Kopf. Und ich merke, dass ich durch die Fotografie auch meine Illustrationen anders sehe. Ich achte mehr darauf, wie das Licht bricht. Wer hätte gedacht, dass eine alte Kamera vom Studium mal mein zweites Standbein wird? Falls du dich fragst, ob das was für dich ist: Ich habe meine ehrlichen Erfahrungen mit dem Lifestyle Presets Paket für Familienfotos mal aufgeschrieben, weil es mir diesen intuitiven Zugang erst ermöglicht hat.

Die Routine zwischen Saale und Atelier

Heute sitze ich wieder hier, der Tee ist fast kalt. Vor mir auf dem Schirm sind die Bilder vom letzten Wochenende an den Saale-Wiesen. Die ersten kühlen Septembertage haben ein ganz anderes Blau im Himmel. Ich nutze jetzt oft das 'Moody'-Preset als Startpunkt, ziehe aber die Sättigung ein Stück zurück. Es soll nicht nach Instagram-Filter aussehen, sondern nach einer Erinnerung, die man anfassen kann. Wie ein Bild aus einem Kinderbuch, das man als Kind geliebt hat.

Keine Foto-Akademie der Welt hätte mir das beigebracht. Man muss es einfach machen. Man muss den Garten im Abendlicht spüren, die Mücken ignorieren und einfach abdrücken. Den Rest machen wir dann im Lichtbildlabor, wenn die Kinder im Bett sind und die Ruhe im Paulusviertel einkehrt. Es ist keine Zauberei, es ist nur ein anderes Medium für die gleiche Geschichte.

Pinnwand im Atelier mit Familienfotos und Farbschemata, die den Illustrator-Look in Lightroom zeigen.

Wenn ich heute zurückdenke an den März 2024, als ich die Sony Alpha 6000 aus der Kiste holte, muss ich schmunzeln. Ich wusste nichts über Histogramme, aber ich wusste, wie sich Licht anfühlen muss. Und vielleicht ist das genau der richtige Weg für uns Kreative: Erst das Gefühl, dann der Schieberegler. Nicht andersherum.