Lightroom Katalog organisieren: Wie ich als Illustratorin meine Fotos sortiere

Lightroom Katalog organisieren als Illustratorin: Bildschirm mit Sammlungen und Familienfotos aus Halle, sortiert nach Stimmung statt Datum

Achtzehn Sammlungen offen, keine heißt das, was ich gerade brauche, und der Cursor blinkt im leeren Suchfeld, fast spöttisch. Ordner mit Namen wie „Neu 2", „unsortiert final" und „Familie Test" – ich klicke mich durch, auf der Suche nach einem einzigen Foto. Mein Lightroom-Katalog sollte sich, dachte ich, von selbst ordnen, so wie sich meine Skizzenhefte irgendwann sortieren. Hat er nicht. Die Bildverwaltung für meine Familienfotografie hier in Halle sah aus wie eine Schublade, in die seit Monaten niemand mehr reingeschaut hat – dabei bringe ich als Illustratorin beruflich Ordnung in fremde Bildideen, und Katalog-Organisation für die eigenen Fotos sollte da eigentlich das Mindeste sein.

Lightroom-Grundkurse erklären dir Import, Bewertung, Verschlagwortung, in genau dieser Reihenfolge. Das Prinzip kenne ich, aber es passt nicht zu der Art, wie ich sonst arbeite. Ich fühle als Illustratorin zuerst das Licht und ziehe dann die Linie. Warum sollte ich meine Fotos anders behandeln als eine Skizze? Kein Curriculum entscheidet bei mir, was bleibt, sondern der Blick.

Die alte Sony Alpha 6000 aus dem Studium an der Burg Giebichenstein schreibt brav ihre Dateien auf die Karte, nur mein Kopf hat längst aufgehört, sich zu merken, wo sie landen. In meinen Illustrations-Aufträgen sortiere ich nach Kunde oder nach Bildidee, nie nach Kalenderwoche. In Lightroom sah das anfangs aus wie ein Unfall: lauter Katalog-Reste, denen ich keinen Auftrag mehr zuordnen konnte.

Der Katalog wächst schneller als jede Ordnerstruktur

Sortiere nach Datum, sagt jeder Grundkurs. Aber was nützt mir ein Datum, wenn ich nicht mehr weiß, ob ein Auftrag im Frühling oder im Frühsommer entstanden ist? Ich weiß nur noch, dass das Licht an jenem Nachmittag eine bestimmte Kante auf den Kinderhaaren hinterlassen hat. Genau das will ich wiederfinden, keine Zahl im Dateinamen.

Eine Nachbarin aus dem Paulusviertel trainiert für einen Triathlon-Verein an der Saale und schickt mir manchmal Fotos vom Training, weil sie wissen will, warum ihre Handyfotos immer so blass wirken. Früher hätte ich ihr keine gute Antwort geben können. Lange habe ich Handyfotos einfach direkt so exportiert, wie das Telefon sie ausgespuckt hat, ohne den Weißabgleich überhaupt zu prüfen. Das Ergebnis waren fahle, unentschlossene Bilder, die weder in meine Moody-Sammlung noch sonst irgendwo passten. Sie lagen einfach nirgends, und genau solche Fotos waren es, die meinen Katalog am Ende verstopft haben.

Sony Alpha 6000 Kamera auf dem Zeichentisch zwischen Aquarellskizzen – Ausgangspunkt für die Katalog-Organisation als Illustratorin

Fotos nach Stimmung statt Datum organisieren

Ich behandle den Katalog inzwischen wie ein Skizzenbuch, das ja auch nicht nach Norm geordnet ist, sondern einem Gefühl folgt. Sammlungen heißen bei mir nicht „Oktober" oder „Auftrag 14", sondern „Weiches Licht", „Kantiger Schatten" oder „Warmton Herbst". Der Fokus verschiebt sich komplett: weg von Metadaten, hin zu Komposition und Lichtkante. Smart-Sammlungen übernehmen den Rest automatisch, sobald ich ein Bild mit einem bestimmten Farblabel markiere. Ein kurzes Aufatmen, wenn plötzlich alle warmtonigen Bilder auf einen Blick sichtbar sind, ganz ohne manuelles Durchklicken.

Wie ich Hauttöne in der Bearbeitung angehe, ist noch mal ein ganz eigenes Thema, das ich an dieser Stelle nicht aufrolle – nur so viel: Auch die bekommen bei mir eine eigene Sammlung, weil sie eine andere Art von Aufmerksamkeit brauchen als der Rest eines Bildes.

Wenn dich genau dieses Gefühl anspringt – ein System haben zu wollen, aber keins, das nach fremden Regeln funktioniert –, findest du in meinen 5 Tipps für den Illustrator Style in Lightroom ohne Kurs-Stress (2026 Update) ein paar Ansätze zu meinem Workflow als Illustratorin ohne festes Curriculum.

Drei Monate liegen lassen, bevor ich einsortiere

Fotos bleiben bei mir oft monatelang unberührt, auf der Karte oder in einem Import-Ordner ohne jede Struktur. Jedes Foto-Handbuch würde das vermutlich als Todsünde einstufen. Für mich ist es ein Filter: Nur Bilder, die mir nach ein paar Monaten noch im Kopf bleiben, verdienen einen Platz in einer meiner Stimmungs-Sammlungen. Bei einer Skizze ist der erste Entwurf oft zu aufgeladen, um ihn nüchtern zu beurteilen. Erst mit Abstand sehe ich, ob die Linienführung wirklich trägt oder nur im Moment gut aussah.

Ob RAW oder JPEG die bessere Ausgangsbasis für solche Familienshootings ist, sortiere ich für mich längst getrennt ab – ein eigenes Fass, das an dieser Stelle zu weit führen würde.

MacBook mit Lightroom-Katalog neben Aquarellzeichnung und Tasse Tee – Bildverwaltung im Illustratorinnen-Workflow

Farbcodes statt Sterne: meine Bildverwaltung

Sterne vergebe ich schon länger nicht mehr. Ich vergebe Farben: Rot für „braucht noch mehr Tusche-Gefühl", Grün für „fertig wie ein Aquarell". Mein Kopf versteht das schneller als jede Zahl von eins bis fünf. Der Rechner im Atelier braucht dafür jedes Mal einen Moment, ein leises Surren aus dem Gehäuse, während im Hintergrund noch die letzten Vorschaubilder einer ganzen RAW-Serie nachladen, bevor die Farblabels wirklich greifen.

Wie hartes Licht im Schatten draußen überhaupt entsteht und wie man das schon beim Auslösen erkennt, ist eine andere Geschichte, die an anderer Stelle ausführlicher drankommt. Hier reicht mir die Beobachtung, dass sich harte Kanten in der Bildverwaltung fast immer in einer eigenen Sammlung wiederfinden.

Die einzige Systematik, die wirklich hält

Um die zehnte Woche herum ging es um die Gartenfotos vom Oktober, Aufnahmen aus dem Volkspark an der Rosengarten-Weginsel, im Moody-Look bearbeitet. Ein Laubfleck im Hintergrund saß zu dominant im Bild und zog den ganzen Blick auf sich. Ein Schritt zurück in der Farbkorrektur, die Sättigung im Gelbbereich etwas eingefangen. Die Aufnahme kam wieder zur Ruhe, statt nur laut zu sein. Genau solche Bilder wandern jetzt sofort in die richtige Sammlung, statt erst wochenlang irgendwo herumzuliegen.

Welcher Look, eher Moody oder natürlicher, am Ende zum Auftrag passt, ist übrigens eine andere Rechnung als die, welche Sammlung ein Bild bekommt: wie sich solche Presets im echten Familien-Alltag schlagen, habe ich in meinen Ehrlichen Erfahrungen mit dem Lifestyle Presets Paket für Familienfotos aufgeschrieben, falls dich das nach diesem Ordnungs-Eintrag noch interessiert.

Der Katalog funktioniert nicht, weil ich ihn nach fremden Regeln geordnet habe, sondern weil die Ordnung meiner eigenen Bildsprache folgt. Wer als Illustratorin oder Gestalter in die Familienfotografie einsteigt, muss Lightroom nicht wie eine Fototechnik-Schule denken. Ein Katalog darf nach Licht sortiert sein, nach Farbe, nach Gefühl, solange du selbst noch weißt, was ein Bild in einem Jahr in dir auslöst. Genau das ist die einzige Systematik, die bei mir bis jetzt hält.