Lightroom Katalog organisieren: Wie ich als Illustratorin meine Fotos sortiere

Lightroom Katalog organisieren: Wie ich als Illustratorin meine Fotos sortiere

Ein später Nachmittag im Paulusviertel-Atelier. Die Sonne wirft diese endlos langen, fast violetten Schatten auf den Dielenboden. Ich sitze vor meinem MacBook und suche. Nicht nach einer Farbe, nicht nach einem Pinselstrich. Ich suche dieses eine Foto vom Saale-Ufer aus dem letzten September. Zwischen all den Illustrations-Entwürfen und den tausend Skizzen-Ordnern herrscht digitales Chaos.

Meine alte Sony Alpha 6000, die ich schon seit meinem Studium an der Burg Giebichenstein (gegründet 1915, wie wir alle im ersten Semester lernen mussten) besitze, hat zwar brav 24.3 Megapixel auf die Karte geschrieben, aber mein Kopf hat vergessen, wo sie gelandet sind. Ich merke: Meine Ordnung als Illustratorin – diese sauberen Ebenen-Strukturen in Photoshop – lässt sich nicht eins zu eins auf die Fotografie übertragen. Zumindest nicht so, wie man es mir beibringen wollte.

Die Suche im Schatten: Warum starre Systeme scheitern

An einem grauen Vormittag im Februar saß ich hier und starrte auf die Ordnerstruktur. Ich hatte ja diesen Lightroom-Grundkurs gekauft. Nach Modul 4 war Schluss. Dieses lineare Denken – erst Import, dann Bewertung, dann Verschlagwortung – das fühlt sich für mich an wie Malen nach Zahlen. Es engt die Tonalität meiner Arbeit ein. Als Illustratorin arbeite ich intuitiv. Ich fühle erst das Licht und ziehe dann die Linie. Warum sollte ich meine Fotos anders behandeln?

Nahaufnahme einer Sony Alpha 6000 Kamera auf einem Zeichentisch zwischen Aquarellskizzen.

In meinen Illustrations-Projekten sortiere ich nach Kunden oder nach Bildideen. In Lightroom sah das anfangs aus wie ein Unfall. Überall .lrcat-Dateien, die ich nicht zuordnen konnte. Der Kurs sagte: Sortiere nach Datum. Aber was nützt mir ein Datum? Ich weiß nicht mehr, ob der Auftrag für die befreundete Mutter am 12. oder am 20. war. Ich weiß nur noch, dass das Licht am Saale-Ufer diese weiche Lichtkante auf den Haaren des Kindes hinterlassen hat. Ich brauche ein System, das meine visuelle Sprache spricht.

Stimmungen statt Kalenderblätter

Vor etwa zwei Wochen im Atelier kam mir die Erleuchtung. Ich habe angefangen, meinen Katalog wie ein Skizzenbuch zu behandeln. Ein Skizzenbuch ist auch nicht nach ISO-Norm sortiert. Es folgt einem Gefühl. Ich nutze jetzt Sammlungen, aber ich benenne sie nach dem Look, den ich im Kopf habe. Da gibt es den Ordner „Saale-Licht-weich“ oder „Paulusviertel-Hinterhof-Moody“. Das hilft mir, den Fokus auf die Komposition zu legen, statt auf technische Metadaten.

Was ich als Illustratorin am Lightroom-Workflow immer noch fremd finde, ist diese Endgültigkeit beim Import. In Procreate fange ich einfach an. In Lightroom musst du erst „einchecken“. Aber ich habe einen Weg gefunden: Ich nutze Smart-Sammlungen, die automatisch alles filtern, was ich mit meinen Lieblings-Looks markiere. Es ist ein befreiendes Gefühl. Ein kurzes, erleichtertes Ausatmen, wenn die Smart-Sammlung plötzlich alle „Moody“-Bilder der letzten drei Monate auf einen Klick sortiert anzeigt. Ich sehe sofort, welche Bildsprache dominiert.

Wenn du dich auch eher durch das Licht als durch Ordnerstrukturen treiben lässt, helfen dir vielleicht meine 5 Tipps für den Illustrator Style in Lightroom ohne Kurs-Stress (2026 Update), um deinen eigenen Weg zu finden, ohne dich in technischen Details zu verlieren.

Das Geheimnis des Liegenlassens: Der intuitive Filter

Hier kommt mein unkonventioneller Ansatz: Ich lasse die Fotos oft monatelang einfach auf der Karte oder in einem ungeordneten Import-Ordner liegen. In jedem Foto-Handbuch würde das als Todsünde stehen. Aber für mich ist es ein Filterprozess. Nur die Bilder, die nach drei Monaten in meiner Erinnerung immer noch leuchten, verdienen den Platz in meinem organisierten Katalog. Das ist wie bei einer Skizze – oft ist der erste Entwurf zu emotional aufgeladen. Erst mit Abstand sehe ich, ob die Linienführung wirklich stimmt.

MacBook mit Lightroom-Oberfläche neben einer Aquarellzeichnung und einer Tasse Tee.

Wenn ich dann endlich sortiere, ist es fast ein ritueller Akt. Das leise Summen meines MacBooks und der Geruch von frischem Minztee begleiten mich, während ich die Dateinamen von „DSC0123“ in „Sommer-Saale-Licht“ umbenenne. Ich vergebe keine Sterne. Ich vergebe Farben. Rot für „braucht noch Tusche-Gefühl“, Grün für „fertig wie ein Aquarell“. Das versteht mein Gehirn sofort. Es ist eine visuelle Ordnung, die Platz zum Atmen lässt.

Wenn die Ordnung atmet: Mein Fazit aus dem Lichtbildlabor

Seit ich aufgehört habe, eine perfekte Fotografin sein zu wollen und stattdessen wie eine Illustratorin mit Kamera denke, macht Lightroom wieder Spaß. Die Katalog-Struktur ist jetzt mein Rahmen, nicht mein Gefängnis. Ich weiß jetzt genau, welches Preset bei welchem Auftrag funktioniert hat, weil meine Ordnernamen mir die Stimmung verraten, nicht das Datum. In meinem Lichtbildlabor-Tagebuch notiere ich mir diese kleinen Siege. Zum Beispiel, dass der Cinematic-Look perfekt zu den Schatten der Gründerzeit-Fassaden hier im Viertel passt.

Letzte Woche habe ich die Bilder vom ersten Geburtstag an der Saale endlich final einsortiert. Es war ein langer Weg von den blassen RAW-Dateien bis zu diesem weichen, illustrativen Look. Falls du dich fragst, wie sich solche Presets im echten Familien-Alltag schlagen, habe ich meine Ehrliche Erfahrungen mit dem Lifestyle Presets Paket für Familienfotos aufgeschrieben. Es ist oft ein Ausprobieren, ein Scheitern und ein Neufinden. Genau wie bei einer guten Illustration. Manchmal muss man erst einen Fleck machen, um zu sehen, wo das Licht hingehört.