Objektivkorrektur in Lightroom aktivieren für natürliche Familienporträts

Objektivkorrektur in Lightroom aktivieren für natürliche Familienporträts

Später Abend im Atelier. Das Paulusviertel schläft schon fast, nur das gedimmte Licht über meinem MacBook wirft lange Schatten auf die Skizzenbücher. Ich starre auf ein Foto vom letzten September, Saale-Aue, spätes Nachmittagslicht. Ein kleiner Junge rennt am Ufer entlang, die Weiden biegen sich im Wind. Aber irgendwas stimmt nicht. Die Horizontlinie der Saale macht einen leichten Buckel, und das Gesicht des Kindes am Bildrand wirkt seltsam... gezogen. Wie eine missglückte perspektivische Skizze, bei der die Fluchtpunkte weggelaufen sind.

Bevor ich weiter erzähle: Diese Seite enthält Affiliate-Links. Wenn du über einen dieser Links ein Preset-Paket oder den Kurs kaufst, bekomme ich eine Provision — für dich entstehen keine Mehrkosten. Ich verlinke hier nur Dinge, die ich selbst für meine Arbeit im Atelier gekauft habe und die meinen Workflow zwischen Illustration und Fotografie wirklich verändert haben.

Das Problem mit dem Kit-Objektiv und der krummen Welt

Ich fotografiere immer noch mit meiner alten Sony Alpha 6000, die ich schon während meines Studiums an der Burg Giebichenstein für Referenzfotos genutzt habe. Sie hat einen APS-C Sensor, was völlig reicht, aber das Standard-Objektiv, dieses flache 16-50mm Kit-Teil, hat so seine Tücken. Besonders bei 16mm, wenn ich versuche, die Weite der Saale-Wiesen einzufangen, krümmt sich die Welt. In der Fachsprache heißt das wohl Verzeichnung. Für mich als Illustratorin ist es einfach eine „falsche Linie“.

Die Sony Alpha 6000 mit Kit-Objektiv auf einem hölzernen Ateliertisch neben Skizzenbüchern.

Wenn ich eine Illustration auf dem iPad aufbaue, setze ich die Linien bewusst. In der Fotografie schleicht sich diese optische Täuschung einfach ein. Bei diesem einen Shoot in der Saale-Aue war es besonders schlimm. Der Horizont sah aus wie eine sanfte Hügelkette, obwohl die Saale dort eigentlich spiegelglatt und gerade fließt. Ich habe erst versucht, das manuell mit den „Transformieren“-Reglern zu biegen. Ein Albtraum. Es fühlte sich an, als würde ich versuchen, eine zu nasse Aquarell-Lasur mit einem trockenen Schwamm zu korrigieren — mühsam, unpräzise und am Ende verliert das Bild seine Seele.

Ein Klick, der alles „snappen“ lässt

Eigentlich hatte ich den Adobe Lightroom Classic Komplettkurs [Mein Crashkurs] ja nach Modul 4 abgebrochen. Mein Kopf funktioniert einfach nicht linear, ich will fühlen, nicht auswendig lernen. Aber genau in diesen ersten Modulen steckte die Lösung. Unter dem Reiter „Objektivkorrekturen“ gibt es dieses kleine, unscheinbare Häkchen: „Profilkorrekturen aktivieren“.

Detailansicht der Lightroom-Benutzeroberfläche mit dem Panel für Objektivkorrekturen auf einem MacBook.

Ich erinnere mich an einen schwülen Nachmittag Anfang August, als ich eine Serie von Familienporträts am Galgenberg bearbeitete. Ich setzte den Haken und — Snap. Das ist dieser eine Moment, den ich so liebe. Es ist, als würde eine physische Spannung aus dem Rahmen weichen. Das Bild atmet auf. Die Ränder, die vorher leicht dunkel und nach innen gewölbt waren (Vignettierung, wieder so ein Wort), klappen förmlich auf. Das Bild wird flach im Sinne von „ehrlich“. Die Linienführung stimmt wieder mit meiner Wahrnehmung überein.

Das ist besonders wichtig, wenn man wie ich viel mit einem malerischen Bildstil über die HSL-Regler arbeitet. Wenn die geometrische Basis nicht stimmt, wirken die Farben und Texturen oben drauf irgendwie „aufgeklebt“. Die Objektivkorrektur ist für mich wie das Aufspannen des Aquarellpapiers: Wenn der Untergrund nicht glatt ist, wird das ganze Werk nichts.

Die Gefahr der Perfektion: Wenn Gesichter sich dehnen

Aber — und das ist mein ganz persönliches Illustratorinnen-Aber — die Automatik ist nicht immer der Heilsbringer. Ich habe festgestellt, dass die Objektivkorrektur bei extremen Weitwinkel-Aufnahmen (eben bei diesen 16mm) die Gesichter am Rand manchmal noch unnatürlicher macht. Lightroom versucht, die Wölbung des Objektivs zu begradigen, was dazu führen kann, dass Köpfe in den Ecken unnatürlich in die Breite gezogen werden.

Ein ausgedrucktes Foto der Saale-Aue mit sichtbarer Weitwinkel-Verzeichnung in der Hand der Illustratorin.

Bei einem Auftrag im Frühjahr im Hinterhof meines Ateliers im Paulusviertel hatte ich eine Mutter mit ihrem Baby am Rand des Bildes positioniert. Mit aktivierter Korrektur wirkte ihr Gesicht plötzlich maskenhaft breit. In solchen Momenten deaktiviere ich die Korrektur lieber wieder oder nutze sie nur minimal. Ein bisschen Vordergrund-Unschärfe hilft oft mehr, um den Fokus zu lenken, als eine mathematisch perfekte Begradigung, die die menschliche Anatomie beleidigt.

Ich arbeite intuitiv. Ich schaue mir das Bild an: Fühlt es sich stabil an? Oder kippt es? Wenn ich meine Moody Presets für die Saale-Porträts drüberlege, brauche ich eine saubere Leinwand. Der Kurs hat mir gezeigt, wo die Werkzeuge liegen, aber entscheiden muss ich immer noch selbst, ob die Linie „wahr“ ist.

Warum Technik für kreative Köpfe doch zählt

Früher dachte ich, diese technischen Häkchen seien nur was für Architekturfotografen, die jede Kante mit dem Lineal nachmessen. Aber für mich als Quereinsteigerin ist es die Basis, um meinen Illustrationsstil in die Fotos zu bringen. Ohne die Korrektur sehen meine Fotos aus wie „geknipst“, mit ihr wirken sie wie „komponiert“.

Fertiges Familienporträt als Print neben Zeichenwerkzeugen auf einem aufgeräumten Arbeitsplatz.

Wer wie ich eher visuell und weniger systematisch lernt, dem kann ich nur raten, sich zumindest die Grundlagen der Bildorganisation und der optischen Korrekturen einmal anzuschauen. In dem Kurs, den ich genutzt habe, gibt es 40+ Lektionen — ich habe mir wirklich nur die Rosinen rausgepickt, die mir im Atelieralltag helfen. Es geht nicht darum, Profi-Fotografin zu werden, sondern darum, dass die Technik dem eigenen Stil nicht im Weg steht.

Wenn du also das nächste Mal ein Foto hast, das sich „falsch“ anfühlt, obwohl das Licht perfekt war: Schau mal nach dem Objektivprofil. Es ist oft der Unterschied zwischen einer Skizze und einem fertigen Werk. Falls du tiefer einsteigen willst, ohne dich in Foren zu verlieren, schau dir den Lightroom Grundkurs an — auch wenn du ihn, wie ich, vielleicht nie ganz zu Ende machst. Manchmal reichen ein paar Module, um den eigenen Blick zu schärfen.

Ich klappe jetzt das MacBook zu. Morgen früh wartet eine neue Illustration auf dem iPad, aber die Fotos vom Galgenberg sind fertig — mit geradem Horizont und Gesichtern, die genau so aussehen, wie ich sie gefühlt habe.