Landschafts-Presets für Porträts nutzen: Mehr Tiefe für meine Familienfotos

Landschafts-Presets für Porträts nutzen: Mehr Tiefe für meine Familienfotos

Ich sitze am großen Holztisch in meinem Atelier. Hinterhof im Paulusviertel. Das leise Surren meines MacBook-Lüfters mischt sich mit dem Geruch von frischem Fixativ und dem fernen Klingeln der Straßenbahnlinie 7. Vor mir auf dem Bildschirm: blasse Gesichter. Ein Familienshooting an der Saale, das ich vor ein paar Tagen gemacht habe. Die RAW-Dateien meiner alten Sony Alpha 6000 wirken flach. Fast leblos. Nicht wie meine Illustrationen, die von Schichten, Tusche und Tiefe leben. Es ist dieser Moment, in dem ich mich frage, ob die Kamera und ich jemals Freunde werden.

Bevor ich dir erzähle, wie ich dieses Farbrätsel gelöst habe: Ein kurzer Hinweis. Auf dieser Seite findest du Affiliate-Links. Wenn du über einen dieser Links ein Preset-Paket oder einen Kurs kaufst, bekomme ich eine Provision — für dich entstehen keine Mehrkosten. Ich verlinke nur Produkte, die ich selbst bezahlt und in echten Familien-Aufträgen oder im eigenen Workflow getestet habe. Mein Blick ist der einer Illustratorin, nicht der einer Technik-Expertin.

Warum der gerade Weg für mich nicht funktionierte

Im Mai 2024 dachte ich noch, ich müsste das alles wie eine Wissenschaft lernen. Ich kaufte mir den Adobe Lightroom Classic Komplettkurs. 40 Lektionen. Systematisch. Linear. Ich habe nach Modul 4 abgebrochen. Mein Hirn funktioniert nicht so. Ich will keine Histogramme auswendig lernen, ich will Bilder fühlen. Der Kurs war gut, wirklich, aber er raubte mir die intuitive Lust. Ich saß da und versuchte stundenlang, den Weißabgleich manuell so zu biegen, wie im Kurs gelernt, nur um am Ende ein Bild zu haben, das aussah wie eine schlechte Krankenhaus-Serie. Sterile Farben. Keine Seele. Ich bin keine Fotografin, ich bin eine Malerin, die Licht statt Pigmente nutzt – warum versuche ich dann, wie ein Techniker zu denken?

Nahaufnahme eines MacBook-Bildschirms mit Lightroom-Bearbeitung eines Kinderfotos im hohen Gras.

Ich brauchte eine Abkürzung. Etwas, das mir die Basis gibt, auf der ich dann wie mit dem Pinsel weiterarbeiten kann. Meine Sony hat zwar einen tollen Sensor mit 24,3 Megapixeln, aber die Bilder, die da rauskommen, sind wie eine ungrundierte Leinwand. Sie brauchen eine Richtung. Letzten September, als das Licht über der Saale diesen goldenen, aber schon kühlen Unterton bekam, stieß ich auf die Idee, Landschafts-Presets für Menschen zu nutzen. Klingt erst mal falsch. Aber für mich war es der Schlüssel.

Das Experiment mit der Landschaft

Ich erinnere mich an einen grauen Nachmittag im November. Ich bearbeitete Fotos von einem kleinen Jungen, der in der Saale-Aue durch das hohe, trockene Gras rannte. Alles war braun, grau, trist. Ich klickte mich durch meine neuen Filter und landete beim lifestyle-presets-paket. Eigentlich für Reise- und Landschaftsfotografie gedacht. 100 Presets. 13 Stilrichtungen. Ich wählte den Look „Cinematic“. Ein kurzes, warmes Kribbeln im Nacken, als der Filter die grünen Ufergräser der Saale in genau das Moosgrün tauchte, das ich in meinen Büchern nutze. Plötzlich war da Tiefe.

Was Landschafts-Presets machen: Sie betonen Texturen. Sie geben dem Himmel Zeichnung und den Schatten ein Gewicht. In der Illustration nennen wir das Lichtkante und Schattenwurf. Wenn ich ein Gesicht fotografiere, will ich nicht nur Haut sehen, ich will die Umgebung spüren, in der diese Person steht. Die „Moody“-Presets aus dem Paket geben den Fotos diesen schweren, fast schon samtenen Look von alten Ölgemälden. Das passt perfekt zu meinem Stil an der Burg Giebichenstein. Ich arbeite oft mit Farben in Lightroom, die harmonische Familienfotos wie in der Malerei wirken lassen.

Kreativer Arbeitsplatz mit Sony Kamera, iPad-Skizzen und gedruckten Landschaftsfotos der Saale.

Wichtig war für mich, dass die Presets im .xmp-Format kamen. Seit Lightroom Classic Version 7.3 ist das der Standard. Das Schöne an diesem Paket: Ich zahle einmalig etwa siebzig Euro und habe Ruhe. Kein Abo-Druck für die Presets selbst, was mir als Freiberuflerin sehr entgegenkommt. Ein Auftrag für ein Familienporträt im Paulusviertel, und das Geld ist wieder drin.

Vorsicht bei der Haut — Die Lektion mit K.s Baby

Aber es gibt eine Falle. Landschafts-Presets sind grausam zu Hauttönen, wenn man sie blind drüberklatscht. Das merkte ich während der ersten warmen Tage im Mai, als ich die kleine Tochter von K. fotografierte. Neugeborene haben oft diese fleckige, rötliche Haut. Landschafts-Presets betonen oft harte Kontraste und Sättigung, was bei der empfindlichen Haut von Babys zu unnatürlichen, fast schon ungesunden Farbtönen führt. Das Baby sah plötzlich aus, als hätte es zu viel Sonne abbekommen oder eine seltsame Maske auf.

Hier muss ich als Illustratorin eingreifen. Ich nutze das Preset für die Stimmung im Hintergrund — für die Bäume, das Gras, das Licht in den Fenstern der Gründerzeithäuser. Aber für das Gesicht nutze ich dann die Maskierung. Ich nehme die Sättigung in den Rottönen lokal zurück. Es ist wie beim Aquarell: Man lässt die Mitte hell und zart, während man den Hintergrund kräftig aufbaut. Wer mehr dazu wissen will, sollte sich den Weißabgleich bei Sonnenuntergang für natürliche Hauttöne genauer ansehen. Das ist oft die Rettung, wenn das Preset zu „wild“ wird.

Detailaufnahme der Bearbeitung eines Baby-Porträts in Lightroom mit Fokus auf Farbsättigung.

Vor etwa drei Wochen hatte ich einen Auftrag direkt hier im Viertel. Ein Hinterhof-Shooting. Das Licht fiel steil zwischen den Mauern ein. Ich nutzte ein „Natural“-Preset aus dem Paket. Es half mir, den Dunst in den Schatten zu bändigen. Wenn du ähnliche Probleme hast, schau dir mal an, wie man Dunst in Lightroom entfernt, um klare Sicht in deine Bilder zu bringen. Es sind diese kleinen Schritte, die aus einem Schnappschuss eine Bildidee machen.

Workflow zwischen Café und Zeichentisch

Mein Alltag findet oft im Atelier-Café statt. Ich habe das Preset-Paket sowohl auf meinem MacBook im Atelier als auch als .dng-Dateien auf meinem iPhone in Lightroom Mobile. Ich edite die ersten Entwürfe oft schon beim ersten Kaffee, während ich auf eine Kollegin warte. Das geht intuitiv. Schieben, gucken, fühlen. Wenn der Look sitzt, synchronisiere ich es und mache das Finetuning am großen Monitor. Ich nutze selektive Korrekturen in Lightroom genau so, wie ich mit dem iPad Linien ziehe: Akzente setzen, wo das Auge hinwandern soll.

Was ich an den Landschafts-Presets so liebe? Sie geben mir eine Körnigkeit, die fast analog wirkt. Ich mag das Digitale nicht, wenn es zu glatt ist. In meinen Kinderbüchern gibt es immer eine Textur — Papierstruktur, Tusche-Spritzer. Die „Moody“-Looks bringen genau das in die Fotos. Ein bisschen Rauschen, ein bisschen Charakter. Falls deine Kamera auch schon älter ist, keine Sorge. Man kann sogar gezielt Rauschen in Lightroom entfernen, falls es mal zu viel des Guten wird, aber meistens lasse ich es für den „Bilderbuch-Look“ drin.

Am Ende ist es ganz einfach: Ich bin keine Technikerin geworden, nur weil ich jetzt eine Kamera halte. Ich bin immer noch die Illustratorin aus der Burg. Ich suche nach dem Licht, das eine Geschichte erzählt. Wenn du auch das Gefühl hast, dass deine Familienfotos zu brav und zu blass sind, probier es mal mit den „falschen“ Filtern. Die Landschafts-Looks geben den Bildern oft genau die Schwere und Tiefe, die ein flüchtiger Moment braucht, um festzuhalten.

Wenn du einen Startpunkt suchst, der nicht gleich nach „Foto-Akademie“ riecht, schau dir das lifestyle-presets-paket an. Für mich war es der Weg zurück zur Intuition. Und falls du doch erst mal die Basics der Regler verstehen willst, ohne den ganzen Kurs zu machen, hab ich hier im Tagebuch auch schon mal aufgeschrieben, wie ich meinen Lightroom Katalog als Illustratorin organisiere. Ordnung ist zwar nicht mein zweiter Vorname, aber beim Bearbeiten hilft es ungemein.