
Später Abend in meinem Atelier im Paulusviertel. Das Licht am MacBook blendet fast ein bisschen, während draußen die Straßenlaternen die Fassaden gegenüber in dieses matte Gelb tauchen. Auf meinem Tisch liegen noch die nassen Aquarellblöcke vom Vormittag. Ein paar Skizzen für ein Kinderbuch. Und daneben: Ein Familienporträt von der Saale-Aue, das sich einfach falsch anfühlt. Zu digital. Zu glatt. Zu... wenig ich.
Kurze Anmerkung, bevor ich mich im Licht verliere: Diese Seite enthält Affiliate-Links. Wenn du über einen dieser Links ein Preset-Paket oder einen Kurs kaufst, bekomme ich eine Provision — für dich entstehen keine Mehrkosten. Ich verlinke hier nur Dinge, die ich selbst bezahlt habe und in meinen echten Familien-Aufträgen hier in Halle nutze. Mein Blick ist der einer Illustratorin, nicht der einer Technik-Expertin.
Das Problem mit der digitalen Kälte
Ich sitze hier oft und rieche den schwachen Duft von Leinöl und alten Parkettböden. Mein Hinterhof-Atelier ist mein Rückzugsort. Aber im letzten September, als ich anfing, die Fotos vom ersten Geburtstag der kleinen L. zu sichten, war ich frustriert. Die Bilder aus meiner alten Sony Alpha 6000 — die hat immerhin 24.3 Megapixel, was für meine Zwecke völlig reicht — sahen technisch okay aus. Aber sie hatten keine Seele. Sie waren flach.
Als Absolventin der Burg Giebichenstein denke ich in Linien. In Flächen. In Tonalität. Wenn ich eine Tuschezeichnung mache, setze ich einen Akzent und lasse den Rest im Weiß des Papiers verschwinden. Ein Foto hingegen will mir oft alles zeigen. Jeden Grashalm an der Saale, jede Pore. Das überfordert mich. Ich suchte nach einem Weg, die Fotos so zu reduzieren, dass sie wie meine Illustrationen wirken. Ein Bild ist erst fertig, wenn man nichts mehr weglassen kann.
Ich habe dann versucht, diesen linearen Lightroom-Kurs zu machen. Aber bei Modul 5 — irgendwas mit Katalog-Hierarchien und Metadaten-Management — habe ich starr vor dem Bildschirm gesessen und mich wie eine Versagerin gefühlt. Mein Kopf funktioniert so nicht. Ich will das Licht fühlen, nicht die Datenbank organisieren. Ich wollte wissen, wie ich die Schatten so tief bekomme wie meine chinesische Tusche, und nicht, wie ich Stichwörter effizient vergebe.

Der Moment, in dem ich die Farbe wegließ
Es war ein regnerischer Nachmittag im November. Ich hatte ein Foto von einem Vater, der sein Kind in die Luft wirft, direkt vor den hohen Fenstern im Hinterhof. Das Licht war diffus, fast wie eine Lasur. Ich fing an, mit den Reglern zu spielen. Sättigung raus. Komplett. Und plötzlich sah ich sie: die Linienführung. Die Lichtkante am Ärmel des Kindes. Die Komposition, die vorher in den bunten Farben des Spielzeugs untergegangen war.
Ich dachte mir: 'Wenn ich das nicht mit einem Pinsel malen würde, warum versuche ich es dann mit Gewalt im Foto zu halten?' Ich suchte nach einer Abkürzung. Einem Tool, das meine Intuition versteht. So bin ich beim Lifestyle-Presets-Paket gelandet. Da sind 100 Presets drin, aufgeteilt in 13 Stilrichtungen. Eigentlich für Landschaftsfotografen gedacht, aber für mich war es wie ein Kasten mit verschiedenen Tusche-Sorten.
Besonders die Looks aus der Kategorie 'Moody' haben es mir angetan. Sie machen genau das, was ich mit dem Pinsel mache: Sie verdichten die dunklen Bereiche. Sie geben dem Schwarz eine Samtigkeit, die ich sonst nur erreiche, wenn ich Pigmente dick aufschichte. Als ich das erste Mal ein Preset auf das Saale-Foto legte, spürte ich diese körperliche Erleichterung in den Schultern. Das Wasser der Saale wurde zu diesem tiefen, samtigen Schwarz. Endlich.
Tusche-Logik in Lightroom: Mein Workflow
Wenn ich heute ein Familienfoto bearbeite, gehe ich vor wie bei einer Zeichnung. Zuerst die grobe Form. Ich nutze oft ein 'Cinematic' Preset als Basis, weil es die Kontraste so schön bricht. In Lightroom Classic am MacBook (Version 7.3 war ja dieser große Umbruch auf das .xmp Format, seitdem laufen die Presets super stabil) ziehe ich dann die Lichter oft noch weiter hoch. Ich will dieses 'Paper White'.
Der Klarheit-Schieber ist für mich wie der Druck, den ich auf die Feder ausübe. Zu viel davon, und das Bild wirkt kratzig. Zu wenig, und es wird ein verwaschenes Aquarell. Ich suche die Balance. Ich will, dass die Augen der Kinder diese scharfe Lichtkante behalten, während der Hintergrund in einer weichen Unschärfe verschwindet, die fast wie eine lavierte Fläche wirkt.
Was ich als Illustratorin an Lightroom immer noch fremd finde? Die Tatsache, dass alles rückgängig machbar ist. In der Tusche ist ein Fehler ein Fehler. In Lightroom probiere ich zehn verschiedene Looks aus dem Paket aus, vergleiche 'Natural' mit 'Moody' und entscheide mich dann doch für die allererste Intuition. Das ist Luxus. Aber es verleitet auch zum Zaudern. Deshalb habe ich mir angewöhnt, schnell zu sein. Intuitiv.
Ein kleiner Tipp am Rande: Wer wie ich oft zwischen Atelier und Café pendelt, sollte sich den Workflow mit Lightroom Mobile anschauen. Ich habe die .dng Dateien aus dem Preset-Paket auf meinem iPhone. Wenn ich im Café im Paulusviertel sitze und auf meine Tochter warte, editiere ich oft schon die erste Auswahl vor. Das ist perfekt für uns Eltern. Wir haben keine drei Stunden am Stück. Wir haben fünf Minuten, während der Hafer-Latte abkühlt.

Warum Schwarz-Weiß für Familien authentischer ist
In der Saale-Stadt haben wir oft dieses sehr wechselhafte Licht. Mal knallt die Sonne auf die Peißnitzinsel, mal hängen die Wolken tief über dem Steintor. Farben können da manchmal lügen. Sie lenken ab von dem Moment, in dem die Mutter ihr Kind tröstet. Schwarz-Weiß reduziert das Bild auf die Emotion. Auf die Struktur der Haut. Auf die Linien der Umarmung.
Ich erinnere mich an einen Auftrag im Februar. Eine Studio-Session in einer alten Fabrikhalle in Glaucha. Das Licht war schwierig, viele harte Schatten. In Farbe sah es unruhig aus. Aber mit einem der 'Cinematic' Presets und einer gezielten Tonwertkorrektur wurde daraus eine Serie, die aussah wie aus einem hochwertigen Bildband. Die harten Schatten wurden zu gestalterischen Elementen. Wie mutige Pinselstriche.
Wenn du selbst merkst, dass dich die Technik eher bremst, dann probier mal aus, die Farbe komplett zu ignorieren. Schau dir die Unterschiede zwischen Moody und Natural Looks an, um herauszufinden, welcher Typ du bist. Für mich war das der Schlüssel, um meine Kamera nicht wieder im Schrank verstauben zu lassen.
Letzte Woche saß ich wieder im Café, das iPad vor mir. Die Lüfter summten leise, während ich den Export für eine Galerie startete. Ein paar Tische weiter saß eine befreundete Mutter. Sie fragte: 'Wie machst du das, dass die Fotos so zeitlos aussehen?' Ich lächelte nur. Ich mache keine Fotos. Ich zeichne sie nur mit Licht nach. Wer noch ganz am Anfang steht, kann sich auch mal meine Einstellungen für die Sony Alpha 6000 ansehen — das ist kein Hexenwerk.
Mein Fazit aus dem Lichtbildlabor
Man muss keine Foto-Akademie besucht haben, um einen eigenen Stil zu finden. Mein Diplom in Illustration hilft mir mehr als jeder Technik-Kurs. Es geht um das Sehen. Und darum, Werkzeuge zu finden, die dieses Sehen unterstützen, statt es durch komplizierte Menüs zu ersticken. Das Lifestyle-Presets-Paket war für mich diese Brücke. Einmal 70 Euro investiert, und ich hatte meinen 'Baukasten' zusammen. Als Freiberuflerin ist mir so eine Einmalzahlung auch viel lieber als noch ein Abo an der Backe zu haben.
Wenn du also das nächste Mal vor deinen blassen Bildern sitzt: Denk an die Tusche. Such die Linien. Und trau dich, das wegzulassen, was nicht zum Kern der Geschichte gehört. Vielleicht ist dein Stil ja auch viel näher an einer Zeichnung, als du denkst. Schau dir zur Inspiration auch mal an, wie man echte Erfahrungen mit Presets sammelt, ohne sich in der Technik zu verlieren.
Ich packe jetzt meine Sachen. Das Licht im Hinterhof ist weg, und die Skizzen für morgen warten. Aber dieses eine Foto von der Saale — das ist jetzt fertig. Es sieht endlich so aus, wie ich es gefühlt habe.